Personalabbau
Die Feierstimmung bei Ford ist vorbei

Stille Wasser sind bekanntlich tief. Verglichen mit Opel oder Mercedes verlief der Personalabbau bei Ford bislang eher im Stillen. Dafür scheppert es jetzt um so lauter. Mit der Nachricht, 1300 Stellen abbauen zu wollen, sind die harschen Töne der Auto-Branche auch in Köln zu hören.

HB KÖLN. Wenn bis Jahresende nicht bis zu 1 300 weitere Ford-Mitarbeiter freiwillig gehen, dann seien betriebsbedingte Kündigungen im kommenden Jahr nicht ausgeschlossen, lautet die Botschaft des Managements, die den 25 500 Ford-Leuten in Deutschland schrill in den Ohren klingen muss. Da bleibt der Betriebsrat nicht leise: Nun werde Porzellan zerschlagen, das möglicherweise nicht mehr zu kitten sei, warnen die Arbeitnehmer.

Dabei war Ford Deutschland noch vor wenigen Wochen in Feier- Stimmung. 75 Jahre Kölner Ford-Werke wurden Anfang Oktober gefeiert. Kein Geringerer als Henry Ford I. hatte 1930 zusammen mit dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, dem späteren Bundeskanzler, den Grundstein für die Fabriken im Kölner Norden gelegt. 19 000 Menschen aus 57 Ländern arbeiten dort heute. Hinzu kommt als zweiter deutscher Standort Saarlouis mit 6 500 Mitarbeitern.

Schon seit drei Jahren versucht Ford, auch mit Hilfe von Personalabbau seine Kosten langfristig zu senken. Vorruhestand und Abfindungen haben bislang 1 500 Mitarbeiter dazu bewogen, den Autobauer zu verlassen, ohne dass dies zu großer Unruhe führte. Nur indirekt erregte der goldene Handschlag Aufsehen: Als Ford Deutschland für 2003 seine letzte Bilanz veröffentlichte und mehr als eine Milliarde Euro Verlust meldete, wurde dies unter anderem mit den Kosten für das Abfindungsprogramm begründet. Nach dieser Bilanz wurde die deutsche Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt - die Bilanzzahlen fließen seitdem in die Ergebnisse von Ford Europe ein.

Europachef Lewis Booth hofft für das laufende Jahr zwar auf ein positives Ergebnis, das dritte Quartal 2005 endete aber mit einem Vorsteuerverlust von 55 Millionen Dollar (46 Mio Euro). Ein Milliardenverlust in Nordamerika drückte den gesamten Ford-Konzern im dritten Quartal mit 284 Millionen Dollar in die roten Zahlen. Die Vorgabe für Europa lautet deshalb nach Aussage des Betriebsrats: Abbau von 2 600 Stellen, davon bis zu 1 300 in Deutschland.

„Wir sind zum Handeln gezwungen“, sagt der Kölner Ford-Sprecher Erik Walner. Die Mitarbeiter versuchte er zu beruhigen: „Da ist kein Automatismus für betriebsbedingte Kündigungen.“ Aber die Wut der Arbeitnehmer wurde nicht nur durch das Wort Kündigung ausgelöst. Ihnen passt die ganze Richtung nicht: Da werde abgebaut, ohne dass sichergestellt sei, dass die Fabriken dann noch laufen, meint Gesamtbetriebsratsvorsitzender Dieter Hinkelmann.

Bei allen Kostensenkungs-Programmen steht der Personalabbau immer im Zentrum des Interesses. Ford habe aber eine viel differenziertere Strategie, sagt Walner: Die Produktivität werde gesteigert, Synergie genutzt, der Absatz angekurbelt. Die Zusammenarbeit mit Fiat bei der Kleinwagenentwicklung gehört zu dieser Strategie ebenso wie ein Billig-Ka oder die Nutzung gemeinsamer Plattformen über die Marke Ford hinaus.

Wie bei der Konkurrenz gilt aber auch bei Ford: Wirklich helfen kann nur eine größere Kauflust der Kunden. Für 2005 freut sich Deutschland-Chef Bernhard Mattes schon über eine erwartete Steigerung beim Marktanteil von einem Zehntelpunkt auf 7,5 Prozent für die Marke Ford.

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