Personalabbau nach Peugeot-Übernahme?: Eisenach und Kaiserslautern in Gefahr

Personalabbau nach Peugeot-Übernahme?
Opel droht der große Aderlass

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Eisenach und Kaiserslautern in Gefahr

Ähnlich sieht das auch der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. „Nach einer Übernahme wären die Werke in Eisenach und in Kaiserslautern stark gefährdet“, sagt Franz. Nach Angaben der Automobilanalysten des Londoner Investmentberaters Evercore ISI liegt die aktuelle Kapazitätsauslastung in den europäischen Werken von Peugeot bei etwa 74 Prozent.

Damit gibt es noch Spielraum nach oben – etwa durch die zusätzliche Produktion von Opel-Modellen. Eine Übernahme der Opel-Produktion wird künftig noch einfacher, da beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit in der Fertigung intensivieren. In diesem Jahr beginnt die gemeinsame Produktion von Geländewagen (SUV) auf einer einheitlichen Plattform. Diese Kooperation war schon länger vorgesehen, völlig unabhängig von den aktuellen Fusionsplänen.

„Es gibt keine Markenwerke mehr, sondern nur noch Konzernwerke, in denen alle Marken gefertigt werden“, beschreibt Autoprofessor Dudenhöffer das, was auf Opel zukommen könnte. Die Rüsselsheimer würden wahrscheinlich komplett im Peugeot-Produktionsverbund aufgehen. Die zentrale Produktionsleitung sitzt dann künftig in Paris, in Rüsselsheim würde es nur noch einen Werksleiter geben. „Wie viele Fabriken man im Verbund braucht, wird bei Peugeot festgelegt“, so Dudenhöffer weiter. Die Franzosen könnten zudem mehr Autos im polnischen Opel-Werk produzieren lassen, wo die Löhne um einiges niedriger als in Deutschland sind.

Dudenhöffer beklagt viele hausgemachte Fehler bei der deutschen Filiale von General Motors. Die Kölner Tochter von Ford beweise, dass sich das Europa-Geschäft eines großen US-Autokonzerns sehr profitabel führen lasse. Ford Europa habe in den beiden vergangenen Jahren 1,5 Milliarden Dollar Gewinn gemacht, bei General Motors stehe ein Verlust von einer Milliarde Dollar in den Büchern. Ford betreibe seine Geschäfte viel effizienter und kostenbewusster.

Auch die Bundesregierung hat sich in die Verhandlungen eingeschaltet. Oberste Priorität der deutschen Seite sei es, die drei Opel-Standorte zu erhalten, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Mittwoch in Berlin nach einer Kabinettssitzung. Zudem müsse die Zentrale von Opel in Rüsselsheim bestehen belieben und keine Unterabteilung eines französischen Konzerns werden.

Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte bereits kritisiert, es sei „inakzeptabel“, dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten.

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Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • @Enrico Caruso: Ah so, ein amerikanisches Unternehmen, ja dann... Das ändert natürlich alles. Dann können nämlich die Amerikaner erst recht damit machen, was sie wollen und das ganze Gejaule hier ist noch überflüssiger und unglaubwürdiger.

    Und alle anderen: Politik schafft keine Arbeitsplätze und Politik verkauft auch keine Unternehmen. Politik setzt Rahmenbedingungen. Unternehmer schaffen Arbeitplätze und Unternehmenseigentümer verkaufen Unternehmen. Wenn das alles so furchtbar ist, wenden Sie sich doch bitte an die jeweiligen Unternehmer und Eigentümer, z. B. Voith u.a.

  • Das Geld fließt in die USA zurück für 10% Steuer, all die unrentablen Firmen bleiben in Europa am Ende natürlich beim Steuerzahler. Steuerfreie Rückzahlungen an die Aktionäre, Investitionen der zurücklaufenden Gelder in Fabriken, Profite für uns Aktionäre, Arbeit für den Mob, so geht Aufschwung bei Trump. Was geht in der EU ? Nix die besten Firmen werden nach Asien verkauft, null Arbeit, null Profit, was schreibe ich seit langen? Nix wie wech von den Räten. Ha Ha Ha

  • Sehr richtig Herr Hofmann,
    und die permanente Übernahme deutscher Industrieunternehmen ist erst der Anfang- Kuka an chinesen zu verkaufen war der eigentliche Sündenfall, nun Thyssen Krupp an die Inder bald geht es hier zu wie in Grossbritanien mit einer einstmals starken Automobilindustrie, die heute bestenfalls noch Fahzeugsegemente bedient.
    Dafür gibt es dort jedoch jede Menge Luftpumpen in der Finanzindustrie bei denen die Bankster vor nichts zurückschrecken und sog Mc Jobs mit geringer Qualifikation und Bezahlung.
    Oberlehrer Gabriel und Omi Merkel steuern mit ihrer Poiltik ganz deutlich in diese Richtung und das Geplärre einer Nahles die Opel Standorte in Deutschland halten zu wollen glaubt doch insofern keiner mehr, da Opel in Bochum nach 50 Jahren ohne Worte ebenfalls geschlossen wurde.
    Dafür wird Gabriel jetzt Aussenminister, Steinmeier als Ex linker sogar Bundespräsident, Flinten Uschi Verteidigungsministerin usw nur für die Arbeitssplätze in Deutschland wird nichts getan- und dafür sind doch sog. Volksvertreter auch zuständig oder nicht?
    Rüsselsheim, Eisenach, Lautern können sich auf jeden Fall schon mal mit einem "Sozialplan" befassen, bei Volkswagen , EADS Airbus und Lufthansa HH läuft schon ähnliches, das Volk und Koalition sollten bald umdenken bevor der Industriestandort Deutschland von rot rot grün endgültig ausverkauft wird. Die soziale Marktwirtschaft eines Adenauers sollte wiederbelebt werden- nur damit kann man zukunftsfähig werden.

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