Personalbaustellen
RWE-Konzern sucht Führung

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern steuert auf ein Führungsvakuum zu. Manfred Schneider, der bisherige Aufsichtsratschef, will eigentlich abtreten. Neben seiner ist zudem die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann unklar. Das Gerangel trifft RWE zur Unzeit.
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DÜSSELDORF. Manfred Schneider ist Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat. Er leitet die Kontrollgremien von RWE, Bayer und Linde, zudem wacht er über Tui und Daimler. Diese Top-Jobs bringen ihm pro Jahr mehr als 1,1 Mio. Euro ein - damit stellt er manchen Vorstandschef in den Schatten.

Seine drängendste Baustelle ist derzeit RWE. Eigentlich ist er dort nur übergangsweise an die Spitze des Kontrollgremiums gerückt. Bis zum 17. Dezember, der nächsten Sitzung, will er seine Nachfolge geklärt haben. Schneider, der kurz darauf 72 Jahre alt wird, will kürzer treten. Doch wichtige Aufsichtsräte drängen ihn, den Job noch über den April kommenden Jahres hinaus auszuüben.

Eine Verlängerung verstieße gegen die Regeln des Unternehmens. Denn laut Geschäftsordnung sollen Aufsichtsratsmitglieder "nicht länger amtieren als bis zum Ende der Hauptversammlung, die auf die Vollendung ihres zweiundsiebzigsten Lebensjahres folgt".

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern steckt in einem Führungsvakuum - und das zur denkbar ungünstigsten Zeit. Denn der neue Aufsichtsratschef muss wichtige personelle und strategische Entscheidungen treffen. Vor allem gilt es, einen Nachfolger für den mächtigen Vorstandschef Jürgen Großmann zu finden, der im Herbst 2012 das Unternehmen verlässt.

Die beiden Personalien sind wichtiger denn je, schließlich steuert RWE auf schwierige Zeiten zu. Die Brennelementesteuer und der immer teurer werdenden Emissionshandel kosten den Konzern Milliarden. Investitionen und sogar die Dividende stehen deshalb auf dem Prüfstand.

Viel Arbeit für den ehemaligen Bayer-Chef - vielleicht zu viel. Schneider würde gern etwas kürzer treten. Nach Informationen des Handelsblatts hat er anderen Kontrolleuren zu verstehen gegeben, dass er lieber abtreten würde.

Deshalb will er die übrigen Aufsichtsräte in den nächsten zwei Monaten zu einer anderen Lösung überreden. Sein Favorit für die eigene Nachfolge ist Ekkehard Schulz, scheidender Chef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp. Der hätte Zeit und nach wie vor auch Lust. Aber Schulz ist bei einigen RWE-Aufsichtsräten in Ungnade gefallen, weil er schon zweimal abgesagt hat.

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