Personalchef im Interview
Conti: „Der Einbruch hat uns überrollt“

Nach den angekündigten Werksschließungen in Hannover und dem französischen Clairoix steht Conti in der Kritik. Arbeitnehmervertreter, Gewerkschafter und französische Politiker werfen dem Unternehmen Rechtsbruch vor. Im Handelsblatt-Interview nimmt Conti-Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente unter anderem Stellung zu den Vorwürfen, Jobgarantien nicht eingehalten zu haben.

Herr Wente, haben Sie mit dem Aufruhr um die angekündigten Werksschließungen in Hannover und dem französischen Clairoix gerechnet?

Wir befinden uns alle in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Wenn man dann strukturelle Veränderungen in klassischen Basiswerken durchführt, hat das eine besondere Brisanz. Diese zugegebenermaßen kritische Situation wollen wir besprechen. Das tun wir in Sachen Stöcken schon am Montag im Wirtschaftsausschuss, Dienstag folgt eine Betriebsversammlung. Wir wollen dann so schnell wie möglich in die Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan inklusive Qualifizierungsgesellschaft einsteigen, damit die Beschäftigten eine Orientierung bekommen. Die Ziele zum Abbau überschüssiger Fertigungskapazität können und werden wir aber nicht zurücknehmen.

Arbeitnehmervertreter, Gewerkschafter und französische Politiker werfen Ihnen Rechtsbruch vor, weil Conti zuvor Garantien für die Arbeitsplätze abgegeben hatte, und wollen die Justiz einschalten. Warum halten Sie sich nicht an die Vereinbarungen?

Es gibt keine Garantien und keinen Rechtsbruch. Wir halten uns an Gesetze, Tarifverträge und an Zusagen. In Frankreich hat Conti ein Modell aufgesetzt, durch das die Arbeitszeit verlängert wird. Im Gegenzug haben wir wie vereinbart 44 Mio. Euro investiert. In Stöcken haben wir 25 Mio. Euro Investitionen in die Hand genommen. Das macht keiner, weil er die Werke schließen will! Leider haben die Maßnahmen nicht gereicht. Mit der Brachialgewalt des Nachfrageeinbruches konnte niemand rechnen.

Die zuständige deutsche Gewerkschaft IG BCE hält Ihnen Jobgarantien vor, die in einem gemeinsamen Eckpunktepapier festgelegt sind?

Einspruch: Diese Garantien gibt es nicht. Tatsache ist, dass Anfang des Jahres mit dem Eckpunktepapier über Arbeitszeitverkürzung und Entgeltreduzierung betriebsbedingte Kündigungen für 168 Mitarbeiter auf Grund der nötigen Produktionsreduzierung von 1,3 Millionen auf 930 000 Reifen vermieden werden sollten.

Und was wurde dann aus den Vereinbarungen?

Um die betriebsbedingte Kündigung von 168 Mitarbeitern zu vermeiden, hätten gut 950 Mitarbeiter in der Nutzfahrzeugreifen-Produktion in Stöcken 2,5 Stunden weniger arbeiten und dafür Lohneinbußen zwischen 200 und 350 Euro im Monat hinnehmen sollen. Doch zwischendrin sackte die Produktionsplanung auf 650 000 Reifen, heute gehen wir von nur noch 380 000 pro Jahr aus. Der Einbruch hat uns überrollt. Wir haben auch deshalb eine Umsetzung des Eckpunktepapiers nicht mehr weiter verfolgt, weil den Mitarbeitern auf Grund der vorgesehenen Entgeltreduzierung bei der jetzt anstehenden Beendigung der Arbeitsverhältnisse deutliche Nachteile entstehen würden. Die geforderte Umsetzung des Eckpapiers wäre im Übrigen wegen der Tariföffnung nur mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien möglich. Auch die Zustimmung der IGBCE lag und liegt nicht vor.

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