Personalentscheidungen
Heideldruck baut Vorstand um

Die am Kapitalmarkt in eine Vertrauenskrise geratene Heidelberger Druckmaschinen AG zieht personelle Konsequenzen. So wird der Technikchef das Marketing übernehmen, der Werksleiter in Wiesloch rückt in das Top-Management auf. In Unternehmenskreisen werden die Personalentscheidungen als Vorbereitung für einen mittelfristigen Machtwechsel gesehen.

FRANKFURT. Nach Informationen des Handelsblatts wird Jürgen Rautert, im Vorstand des Druckmaschinen-Herstellers bislang für die Technik zuständig, die Verantwortung für das Marketing übernehmen. Neuer Technikvorstand wird Stephan Plenz, bislang Leiter des Werkes in Wiesloch. Die Personalien sollen noch in dieser Woche bekanntgegeben werden. Ein Sprecher des Unternehmens wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren.

Heidelberger Druck ist an der Börse in den vergangenen Monaten regelrecht abgestürzt. Ursache sind zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen. Das hat das Vertrauen der Investoren in das Unternehmen erheblich belastet (siehe "Heideldruck unter Druck"). Das Unternehmen wird mit knapp 1,2 Mrd. Euro bewertet, nur wenig mehr als das wirtschaftliche Eigenkapital. Heideldruck erreicht aber mit einem freien Cash-Flow (Mittelzufluss nach Abzug aller betriebsnotwendigen Investitionen) von 4,5 Prozent des Umsatzes einen Wert, den viele Dax-Unternehmen nicht schaffen.

Heideldruck ist mit einem Anteil von rund 40 Prozent der klare Marktführer im weltweiten Druckmaschinenmarkt. Das Unternehmen leidet wie die anderen beiden deutschen Druckmaschinen-Hersteller MAN Roland und KBA unter dem schwachen Dollar. Die USA sind für das Unternehmen der zweitgrößte Markt. Gerade hier setzt die japanische Konkurrenz die Nummer eins mächtig unter Druck, gestützt durch einen sehr schwachen Yen.

Angesichts des Vertrauensverlusts sah sich Aufsichtsratschef Mark Wössner, von 1982 bis 1998 Vorstandschef von Bertelsmann, offenbar gezwungen, personelle Veränderungen durchzusetzen. "Der Druck im Kessel ist gewaltig. Wössner ist sehr unzufrieden, und das ist noch diplomatisch formuliert", heißt es aus dem Konzern-Umfeld. Vorstandschef Bernhard Schreier, der die Unternehmensführung 1999 von Bahnchef Hartmut Mehdorn übernommen hat, sitzt entgegen anders lautenden Gerüchte fest im Sattel. "Herr Schreier genießt die volle Rückendeckung der Arbeitnehmerbank im Kontrollgremium", heißt es.

Dennoch werden die Personalentscheidungen in Unternehmenskreisen als Vorbereitung für einen mittelfristigen Wachwechsel an der Spitze gesehen. Vor allem Rautert wird als ein aussichtsreicher Kandidat für den Chefposten gehandelt. "Dass er angesichts des Vertrauensverlustes nun das Marketingressort und damit auch die Kommunikation übernimmt, kommt nicht von ungefähr", sagt ein Insider.

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