Personalwechsel bei Evonik Industries
CVC macht Einstieg bei Evonik perfekt

Drei Monate nach dem Abschluss des Kaufvertrags ist der Einstieg des britischen Finanzinvestors CVC bei Evonik Industries besiegelt. Neuer Vorstandschef wird Klaus Engel – auch im Aufsichtsrat kommt es zu personellen Veränderungen.

DÜSSELDORF. Wie der bisherige Alleineigentümer RAG-Stiftung gestern Abend mitteilte, ist der Kaufpreis von 2,4 Mrd. Euro für eine Sperrminorität von 25,01 Prozent an Evonik am 15. September eingegangen. Zuvor hatte die EU-Kommission in Brüssel den Weg für die Transaktion freigemacht.

Zeitgleich mit dem Eintritt von CVC kommt es zu es personellen Veränderungen bei Evonik: Als Nachfolger von Werner Müller ernannte der Aufsichtsrat Klaus Engel zum neuen Vorstandschef. Dies war nach dem positiven Votum des Aufsichtsratspräsidiums reine Formsache. Müller hatte im August seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt.

Auch im Aufsichtsrat gibt es einen Wechsel: Um stärkeren Einfluss auf die Unternehmensstrategie nehmen zu können, ziehen die CVC-Vertreter Steve Koltes und Christian Wildmoser in das Kontrollgremium ein. Ausscheiden werden die beiden prominentesten Vertreter der Kapitalseite, Commerzbank-Chef Martin Blessing und Bayer-Boss Werner Wenning. Sie haben ihre Ämter gestern auf eigenen Wunsch niedergelegt.

CVC hatte sich im Juni nach einem mehrwöchigen Bieterverfahren gegen die US-Konkurrenten Blackstone, KKR und Bain Capital durchgesetzt. Ausschlaggebend dafür war nicht nur das höchste Gebot: Auf Basis des Kaufpreises bewertet CVC das Eigenkapital Evoniks mit 9,6 Mrd. Euro. Ein Gutachten aus dem Jahr 2006 kam dagegen nur auf einen Wert von fünf Mrd. Euro. Evonik ist aus der früheren Ruhrkohle hervorgegangen und in den Sparten Chemie, Energie und Immobilien aktiv. Darüber hinaus hatten sich die Briten genügend Kredite gesichert. CVC finanziert die Evonik-Beteiligung jedoch zur Hälfte mit Eigenkapital; das ist deutlich mehr als bei Transaktionen vor Ausbruch der Kreditkrise.

Mit dem schrittweisen Verkauf weiterer Aktien sollen die so genannten Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus finanziert werden. Dafür muss die RAG-Stiftung bis 2018 – dem voraussichtlichen Ende der Förderung – ein Vermögen von 6,9 Mrd. Euro erwirtschaften. Allerdings hat Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking den Zeitplan verschoben: Frühestens Ende 2010 soll Evonik nun an die Börse kommen.

CVC hat angekündigt, spätestens 2013 wieder auszusteigen. Deutschland-Chef Koltes hofft bis dahin auf eine Verdoppelung des Unternehmenswerts. Gemeinsam mit dem Vorstand und der Stiftung will er „ruhig und gezielt“ den gemeinsam formulierten Wachstumsplan für das Konglomerat umsetzen, sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Eine mögliche Wachstumschance wurde aber verpasst: Angeblich interessierte sich Evonik für den Schweizer Spezialchemiekonzern Ciba. Doch der ging an Branchenprimus BASF. Evonik lehnte einen Kommentar ab.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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