Pessimistische Prognosen
BASF-Chef Hambrecht sieht „rabenschwarz“

Die Chefs von großen deutschen Chemiekonzernen stimmen die Mitarbeiter auf noch härtere Zeiten ein. Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF, bezeichnet die derzeitige wirtschaftliche Situation als sehr schwierig.

FRANKFURT. "Momentan sieht es rabenschwarz aus, aber wir hoffen, dass sich die Lage stabilisiert, wenn die Kunden ihre Vorräte abgebaut haben", sagte er in einem Interview mit der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". In einer Mitteilung an die Mitarbeiter hat sich Axel Heitmann, Chef des Leverkusener Chemiekonzerns Lanxess, ebenfalls skeptisch geäußert: "Wir sind mitten in einer globalen Rezession. Wir erwarten keine durchgreifende Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der vor uns liegenden Zeit."

Erstmals sprach Hambrecht dabei von Stellenstreichungen, nachdem die Chemieindustrie in Deutschland bislang mit dem Abbau von Überstunden, Arbeitszeitkonten, den Möglichkeiten der Tariföffnung (35 statt 37,5 Wochenstunden bei entsprechend weniger Lohn) und Kurzarbeit reagieren konnte. Nun sprach Hambrecht bereits davon, dass BASF sich von weniger effizienten Anlagen trennen müsse und dabei Maßnahmen vorziehe, die ohnehin geplant gewesen seien.

Ausdrücklich stellte BASF klar, dass der Chemiekonzern mit den Betriebsräten nicht über Einsparungen bei den rund 37 000 Stellen am Stammsitz Ludwigshafen verhandelt. Es gebe eine gültige Standortvereinbarung, die erst Ende 2010 auslaufe. Hambrecht wies in dem "Zeit"-Interview darauf hin, dass der Standortsicherungsvertrag Öffnungsklauseln für Notfälle enthalte. Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft IG-BCE, Hubertus Schmoldt, bezeichnete Berichte über Entlassungen in der Chemieindustrie Deutschlands als "unbegründet".

Ebenfalls will der BASF-Chef nicht die Dividende kürzen: "Wir haben versprochen, auch in schwierigen Zeiten eine Dividende auf Vorjahresniveau zu zahlen. Daran halten wir fest."

Lanxess hat seine Mitarbeiter darauf eingestimmt, dass bei einer Verschärfung der Krise in den kommenden Monaten die Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretungen weitere Maßnahmen beraten werden, die über das bereits angekündigte Maßnahmenpaket "Challenge 2009" mit Kostensenkungen von mindestens 50 Mio. Euro hinausgehen könnten. Von Einkommenseinbußen sind dabei nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch der Vorstand und leitende Angestellte betroffen.

In Leverkusen hat die Krise inzwischen wohl auch die im April 2008 ausgegliederte Bayer - und Lanxess-Tochter Tectrion mit 1 300 Mitarbeitern erreicht, die als Instandhaltungsfirma im Leverkusener Chemiepark für die Funktionalität von Technik und Abläufen sorgt. In einer für Donnerstag einberufenen Betriebsversammlung sollen den Mitarbeitern Maßnahmen wie Kurzarbeit erläutert werden.

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