Peter Löscher
Außenseiter lenkt künftig Siemens

Siemens bekommt zum 1. Juli einen neuen Chef: den 49-jährigen Pharma-Manager Peter Löscher. Damit hat sich der Aufsichtsrat für einen externen Kandidaten entschieden – und zudem noch für einen, den kein Branchenkenner auf der Rechnung hatte. Löscher bringt aber fraglos Qualitäten mit, die Siemens sehr nützlich sein können.

HB DÜSSELDORF. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte am Sonntagnachmittag bei der Vorstellung des neuen Chefs, Löscher kenne Siemens seit vielen Jahren von außen. Er könne das Unternehmen, das im Ausland als Synonym für deutsche Technologie stehe, wieder dahin rücken, wo es hingehöre. Der Siemens-Aufsichtsrat war in München zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um die Führungsfrage zu lösen.

Der Österreicher Löscher verantwortet beim US-Pharmakonzern Merck seit einem Jahr den Bereich „Global Human Health“. Zuvor leitete er unter anderem das Japan-Geschäft von Aventis. Er bringt für die neue Aufgabe im Weltkonzern Siemens jede Menge Auslandserfahrung mit. Seit Ende der 80er-Jahre arbeitete er für den Chemiekonzern Hoechst unter anderem in den USA und Spanien. Als Leiter der Unternehmensplanung gestaltete er den Umbau des Konzerns mit. Zudem leitete er den Gang an die New Yorker Börse NYSE. Erfahrung in einem weit verzweigten Technik-Konzern sammelte Löscher als Manager beim Siemens-Konkurrenten General Electric, wo er bis 2006 arbeitete.

Siemens steckt bereits seit knapp einem Monat in einer schweren Führungskrise. Vorstandschef Klaus Kleinfeld hatte Ende April seinen Rückzug angekündigt, nachdem der Aufsichtsrat seine anstehende Vertragsverlängerung verschieben wollte. Die US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton, die Siemens in der Korruptionsaffäre berät, hatte wegen laufender Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC davor gewarnt, den Vertrag zu verlängern, bevor die Verantwortung für die schwarzen Kassen geklärt sei. Kleinfeld bleibt jetzt noch bis Ende Juni an der Siemens-Spitze.

Bei Siemens ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit wegen Schmiergeldzahlungen. Die Staatsanwaltschaft prüft früheren Angaben zufolge Geldströme im Umfang von 200 Mill. Euro, Siemens selbst betrachtet mindestens 420 Mill. als kritisch. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld von früheren Mitarbeitern und deren Komplizen aus der Firmenkasse abgezweigt und als Schmiergeld im Ausland verwendet worden ist.

Die Arbeitnehmer im Siemens-Aufsichtsrat begrüßten die Berufung Löschers. Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sagte, der Manager sei in der Lage, Siemens aus der Führungskrise und in ruhiges Fahrwasser zurückzuführen. Löscher habe zugesagt, keine „Kahlschlagpolitik“ zu betreiben.

Seite 1:

Außenseiter lenkt künftig Siemens

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%