Peter Löscher in China
Der unbekannte Siemens-Chef

Auch Siemens-Chef Peter Löscher ist auf der China-Reise von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dabei. Im Reich der Mitte werden die Unterschiede zwischen Löscher und seinem Vorgänger Heinrich von Pierer deutlich. Während Pierer sich stets staatsmännisch gab, wird sein Nachfolger manchmal gar nicht erkannt - was zu lustigen Szenen führen kann. Seine Ziele hat Siemens in China allerdings klar verfehlt.
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PEKING. Bei Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer wäre das nicht passiert: Als sich Peter Löscher, seit zwei Jahren der neue Mann an der Spitze des Münchner Konzerns, am Dienstag im Pekinger Westin-Hotel auf dem Weg zur Pressekonferenz in das Gästebuch eintrug, wollte ihm eine junge Dame am Empfang den Journalisten-Badge sowie die Pressemappe aushändigen. "Das ist doch kein Reporter", herrschte ein Mann des Siemens-Pressestabs sichtlich konsterniert die Mitarbeiterin an. Löscher entschwand schweigend in den Saal.

Man kann den kleinen Vorfall durchaus im Sinne des Vorstandsvorsitzenden werten. Er fungiert eher als stiller Kopf im Hintergrund, weniger als das öffentliche Gesicht des Konzerns. Löscher war so er tags zuvor auch irgendwie im Tross von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dabei, war aber kaum um den Minister zu sehen. Anders von Pierer: Den schickte vor Jahren Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) schon mal an seiner statt in Peking zum Pressegespräch. Und von Pierer hielt auch später als Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Großen Halle des Volkes Hof, streute unter Journalisten Interna aus den Gesprächen.

Für Siemens ist es sicher gut, dass der Firmenname heute eine weniger politische Aura in China hat. Das Unternehmen wird in der Volksrepublik wieder eher als das gesehen, was es eigentlich ist - als ein Industriekonzern. Allerdings macht dieser - eher still vollzogene Wandel - das Geschäft nicht leichter. China-Chef Richard Hausmann und CEO Löscher konnten in Peking ihre positiven Nachrichten nicht wirklich als Erfolg verkaufen.

Zwar liest sich das Ergebnis auf den ersten Blick gar nicht schlecht: Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Sept.) stieg der China-Umsatz um 7 Prozent. Eine absolute Zahl gab es nicht, nach den Worten von Hausmann dürfte der China-Umsatz knapp 7 Mrd. Euro betragen. Damit hat Siemens das Ziel, in China doppelt so schnell wie die Wirtschaft des Landes zu wachsen, klar verfehlt. Chinas Wirtschaft wird dieses Jahr um 8 Prozent und mehr zulegen. Vor einem Jahr hatte der Siemens-Zuwachs 19 Prozent betragen.

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