Peter Löscher
Neuer Siemens-Chef geht's langsam an

Die Siemens-Mitarbeiter können aufatmen: Ihr neuer Chef Peter Löscher plant keinerlei große Umbauten. Er will den Münchener Technologiekonzern sanft verändern. Seine größte Sorge dürfte im Moment allerdings weniger die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens sein.

HB NÜRNBERG „Eine ihrer Fragen ist vielleicht: Peter Löscher kommt zu Siemens und die Revolution beginnt? Da muss ich sie leider enttäuschen“, sagte der Nachfolger von Klaus Kleinfeld am Dienstagabend vor Journalisten in Nürnberg. Er kündigte an, vielmehr auf eine Evolution des Unternehmens mit fast 500 000 Mitarbeitern zu setzen. „Ich werde den notwendigen Wandel vorantreiben, wie wir es in unserer Geschichte immer getan haben.“

Er wolle zunächst den Konzern und dessen Mitarbeiter kennen lernen. Er wolle den Menschen zuhören. Seine ersten Reisen, kündigte Löscher an, werden ihn nach Indien, China und Japan führen – alles Länder mit starken Wachstumsmärkten.

Der neue Siemens-Chef erklärte, vor allem der Klimawandel und der Gesundheitsbereich seien für das Unternehmen in Zukunft wichtige Themen. Am 5. Juli soll es in Berlin einen offiziellen Presseempfang zu Löschers Amtsantritt geben.

Der Österreicher Löscher, der zuletzt beim US-Pharmariesen Merck arbeitete, tritt sein neues Amt am 2. Juli an. Sein Vorgänger hatte seinen Posten nach einem Streit mit der Spitze des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit den Korruptionsaffären hingeworfen. Kleinfeld stand wegen der Verkäufe zahlreicher Unternehmensteile, die er als „aktive Portfoliopolitik“ bezeichnete, vielfach in der Kritik. Er habe den 160 Jahre alten Konzern zu abrupt umgebaut, wurde ihm vorgeworfen.

Schmiergeld-Skandale

Löscher muss Siemens durch strafrechtliche Untersuchungen führen. Derzeit ermitteln die Münchner Staatsanwaltschaft, europäische Strafverfolgungsbehörden, das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC wegen mehrerer mutmaßlicher Korruptionsfälle. Vorgänger Kleinfeld musste auf der Halbjahrespressekonferenz Ende April verkünden, dass die dubiosen Zahlungen von Siemens-Mitarbeitern deutlich größeren Umfang haben könnten als bislang bekannt. Derzeit hat das Unternehmen unklare Zahlungen von Mitarbeitern der Kommunikationssparte über 420 Mill. Euro identifiziert. Siemens hat dahingehende Prüfungen inzwischen auf alle anderen Geschäftssparten ausgedehnt.

Löscher erbt von Kleinfeld zudem das bei der Vorlage der Halbjahreszahlen vorgestellte und laut Analysten „ambitionierte“ neue Effizenzsteigerungsprogramm „Fit for 2010“. Dabei hatte Siemens die Margenziele für neun von elf Siemens-Sparten angehoben. Zudem will das Unternehmen seine Rentabilität künftig auch auf Konzernebene an konkreten Zielvorgaben messen lassen.

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