Peter Löscher
Wie Siemens seinen neuen Chef gefunden hat

Experten reiben sich immer noch verwundert die Augen, wenn sie den Namen Peter Löscher lesen. Der neue Mann an der Spitze von Siemens ist selbst in seiner alten Branche Pharma fast unbekannt. Das mag daran liegen, dass er als überaus stiller Mensch gilt, dem Selbstdarstellung fremd ist. Der Siemens-Aufsichtsrat ist auch nur durch einen Tipp auf ihn aufmerksam geworden.

shf/cha/iw FRANKFURT. Selbst für viele Manager der Pharmabranche ist Löscher ein relativ unbeschriebenes Blatt, obwohl er im Grunde fast 20 Jahre lang in dieser Industrie tätig war. Vertreter der Branche sprechen von einer „bemerkenswerten Entscheidung“ angesichts der Tatsache, dass Löscher einen Großteil seiner Karriere in Stabsfunktionen zugebracht habe. Nach zwei Jahren bei der Personalberatung Kienbaum stieg er bereits 1988 bei Hoechst direkt in der strategischen Planung ein. Ab 1994 gehörte zum engeren Beraterkreis von Hoechst-Chef Jürgen Dormann und „war immer dabei, wenn es galt neue Ideen zu entwickeln oder alte zu beerdigen“, wie es ein ehemaliger Mitarbeiter beschreibt. Erst ab 2000 übernahm er verstärkt operative Funktionen, zunächst als Manager in Großbritannien. Später war er Chef von Aventis in Japan, bevor er zu Amersham/GE und später dann zu Merck & Co wechselte.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen ist Löscher erst seit gut drei Wochen ernsthafter Kandidat für die Kleinfeld-Nachfolge. Zwar habe der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auch Personalberater mit der Kandidatensuche beauftragt, deren Kandidaten aber seien nicht in die engere Wahl gekommen, hieß es in Unternehmenskreisen. Über den Hinweis eines dem Unternehmen eng verbundenen Wissenschaftlers habe Cromme den Kontakt mit Löscher geknüpft und diesen vor zwei Wochen in den USA aufgesucht. Im Präsidium sei die Personalie auf sehr viel Unterstützung gestoßen. Positiv wirkten auch herausragende Referenzen. So soll sich Jürgen Dormann, bei Hoechst-Aventis ehemaliger Vorgesetzter Löschers, für den Neuen an der Siemens-Spitze stark gemacht haben.

„Zu unerfahren“

Die Personalberater-Szene betrachtet den neuen Mann an der Spitze dagegen kritisch. Mehrere vom Handelsblatt befragte Experten für die Suche von Vorständen halten Löscher für zu unerfahren, um Siemens zu führen. Es gebe mehr als hundert mit Löscher gleichwertige Kandidaten. Warum Aufsichtsratschef Cromme ausgerechnet ihn anheuert, sei kaum nachzuvollziehen.

Der seit Jahrzehnten erfahrene Headhunter Hubert Johannsmann von Interconsilium sagt, möglicherweise sei die Wahl so zu erklären, dass Cromme seinen strategischen Einfluss auf Siemens verstärken wolle. Dies sei mit einem Vorstandschef wie Löscher vielleicht leichter als mit einem erfahrenen Chef eines Dax-Unternehmens. Man müsse abwarten, ob Löscher mit der Zeit über sich hinauswachse.

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