Petroplus
Händler stoppen die Lieferung von Rohöl

Einige Händler liefern kein Rohlöl mehr an Petroplus - aus Angst, der Schweizer Raffineriebetreiber könne seine Rechnungen bald nicht mehr bezahlen. Seit mehreren Jahren schreibt der Konzern bereits rote Zahlen.
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London/ParisDer Schweizer Raffineriebetreiber Petroplus könnte schon bald von Rohöllieferungen abgeschnitten sein und den Betrieb dann einstellen müssen. Ölhändler, die befürchteten, der Konzern könne nicht mehr zahlen, stellten am Mittwoch den Handel mit dem in eine Liquiditätsklemme geratenen Konzern ein. „Sie werden die Raffinerien in einigen Tagen runterfahren müssen“, sagte ein Händler, der Petroplus kein Rohöl mehr verkauft. Mehrere andere Händler erklärten, auch sie würden mit dem Konzern keine Verträge mehr abschließen.

„Unsere Vorräte gehen zu Ende, in wenigen Tagen werden wir den Betrieb stoppen müssen“, sagte ein Petroplus-Insider. „Wir werden versuchen, die guten Anlagen so lange wie möglich in Betrieb zu halten.“

Am Dienstag hatten die Banken dem größten unabhängigen Ölverarbeiter Europas einen noch nicht verbindlich zugesagten Milliarden-Kredit gesperrt. Die Aktie verlor daraufhin fast 50 Prozent und sank am Mittwoch um weitere zehn Prozent. Petroplus hatte da schon durchblicken lassen, dass der Betrieb in ihren fünf Raffinerien ohne neue Betriebskredite nicht mehr lange aufrechterhalten werden könne. Der Konzern schreibt seit 2008 rote Zahlen. Wegen des hohen Ölpreises, den die Verarbeiter nicht immer voll weitergeben können, stehen die Gewinnmargen in der von Überkapazitäten geprägten Branche unter Druck.

Petroplus betreibt neben Raffinerien im bayerischen Ingolstadt und in Cressier in der Westschweiz die Anlage Petit-Couronne in Frankreich sowie je eine Raffinerie in Großbritannien und in Belgien. Insgesamt entfallen auf den Konzern 4,4 Prozent der europäischen Ölverarbeitungskapazität.

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  • Sehr geehrter Leser, die ein großer Ölkonzern hatte ein feines Gespühr für den rechtzeitigen Verkauf der Ingolstädter Raffinerie. Der Süddeutsche Markt kann nicht die gsamte Kapazität aufnehmen und Export lohnt sich begrenzt in angrenzende Gebiete. Ebenfalls ist die horizontale Marktposition von Petroplus schwierig, da sich in der Sandwich Position kein wirklicher Weetbewerbsvorteil erzielen läßt. Ebenfalls ist im Ölgeschäft eine vertikale Struktur oftmals vorteilhafter, da in Summe entlang der Wertschöpfungskette das Geld verdient wird, solange man als Raffineriebetreiber keine Machtposition hat und beispielswiese durch große Komplexe Economies of Scale realisieren kann oder einen so großen Marktanteil besitzt, daß man durch Kapazitätsverknappung die Preise des produzierten Treibstoffes an die Tankstellenbetreiber steuern kann.

    Nun vor 3 Jahren war die Marge in Ingolstadt nur noch bei mageren 2 % und das für das Boomjahr 2008 gerechnet, bevor die Wirtschaft schrumpfte. Das Geld aber wird an der Pumpe verdient und indem man die Expolorationskosten geopolitsich ousourced und stellvertretend die Staaten die Vorbereitungs- als auch Erschließlungkosten ganzer Länder überläßt. Interessant ist es auch zum Jahresabschluß Tanker, die das schwarze Gold im Bauch haben, einfach noch bis zur Ankunft in ein steuergünstiges Land auf dem Wege umzubuchen.....oder Weltweit die Headquarterumlagen in der Schlüsselung umzustellen, sodaß steuerlich hoch bewertete Länder auch einen hohen Kostenblock zu tragen und vice versa steuerlich gering bewertete Länder einen proportional kleineren Kostenblock. Das Kann Petroplus mit Sitz im Niedrigsteuerkanton Zug, Schweiz kaum realisieren, eben horizontal im Markt aufgestellt und ohne oder nur begrenzte Verschiebebahnhöfe.
    The money is made in upstream or downstream, but what does midstream earn ?

    Der Makrodenker

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