Peugeot-Citroen
Der neue PSA-Chef hat Erfahrung als Sanierer

Peugeot-Citroen hat einen neuen Chef. Phillippe Varin soll den Streit mit der französischen Regierung kitten. Der 56-jährige gelernte Bergbau-Ingenieur bringt reichlich Erfahrung im Umgang mit Gewerkschaften und Regierungen mit. Varin wird im Konsens nach sozialverträglichen Lösungen suchen.

LONDON. Erst saniert, dann für viel Geld verkauft - Philippe Varin hat bei Corus sein Meisterstück abgeliefert. Zwei Jahre nach der Übernahme des zweitgrößten europäischen Stahlherstellers durch die indische Tata-Gruppe wechselt er nun als Chef zu PSA Peugeot Citroen. Sanieren soll er auch hier, doch anstelle eines Verkaufs dürfte eher die Suche nach einem industriellen Partner stehen.

Der 56-jährige Franzose ist ein gelernter Bergbau-Ingenieur. 1978 stieg er beim Aluminiumkonzern Pechiney ein, wo er innerhalb von 25 Jahren bis in den Vorstand aufstieg. 2003 holte ihn der Chairman Jim Leng zum schwer angeschlagenen britisch-niederländischen Stahlhersteller Corus. Als Vorstandschef kam ihm seine Nationalität zugute: Er konnte zwischen den beiden nationalen Fraktionen des Konzerns vermitteln.

Varins Timing war brillant: Den Stahl-Boom nutzte er, um die unprofitable Gruppe auf Vordermann zu bringen. Doch damit gab er sich nicht zufrieden: Er wusste, dass Corus Massenware zu teuer produzierte und nur eine Zukunft als Teil eines globalen Stahlriesen haben würde. Also zettelte er kurz vor dem Höhepunkt des Stahl-Booms eine Übernahmeschlacht zwischen Tata und der brasilianischen CSN an.

Das Ergebnis war ein Verkaufspreis, von dem die Aktionäre kaum zu träumen gewagt hatten: 13,7 Mrd. Dollar zahlte das indische Konglomerat 2006 für ein Unternehmen, das noch drei Jahre vorher am Rande der Pleite gestanden hatte. Auch Varin verdiente einige Millionen Dollar mit dem Verkauf seiner Aktien. Heute tragen die Inder allerdings schwer an dem überwiegend mit Krediten finanzierten Kauf. Rezession und Überschuldung haben Corus, heute Tata Steel Europe, wieder zu einem Sanierungsfall werden lassen.

Zeit für Varin, weiterzuziehen. Immer wieder wurde er mit Spitzenjobs in Verbindung gebracht, so mit dem Chefposten beim Minenkonzern Anglo American. Keine vier Wochen nach dem Abschied des Corus-Chairmans Leng nimmt er jetzt tatsächlich den Hut. Nun muss sich der vierfache Vater als Retter eines Kerns der französischen Industrie bewähren. Gelingt es ihm wieder, auf dem Tiefpunkt einzusteigen und den Wert der Firma dramatisch zu steigern?

Dem Bild des stahlharten Sanierers entspricht der Rugby-Fan so gar nicht. Dramatische Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden kann man sich von ihm nur schwer vorstellen. Sachlich, sogar etwas hölzern, wirkt er bei öffentlichen Auftritten. Doch im persönlichen Gespräch ist der Klarinettist charmant und spart nicht mit verschmitztem Humor.

Reichlich Erfahrung im Umgang mit Gewerkschaften und Regierungen bringt Varin aus den Corus-Jahren mit. Er wird im Konsens nach sozialverträglichen Lösungen suchen - was im Interesse der Regierung in Paris liegen wird.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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