Peugeot-Deal mit GM Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht

Der mögliche Verkauf von Opel an den Rivalen Peugeot kam für Firmenchef Neumann offenbar überraschend. Er soll ganz andere Pläne für den Autobauer gehabt haben. Die Politik sorgt sich zunehmend um die Arbeitsplätze.
Update: 15.02.2017 - 12:39 Uhr 6 Kommentare

„Die Priorität ist, die Standorte in Deutschland zu erhalten“

Rüsselsheim/Paris/DetroitDie mögliche Übernahme des Autoherstellers Opel durch die französische PSA-Gruppe hat offenbar auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann überrascht. Monatelang soll daran gearbeitet haben, Opel zur Elektromarke umzubauen, berichtet das „Manager Magazin“. Neumann sehe die Gefahr, dass Opel die Investitionen sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennungsmotoren nicht stemmen könnte. Über die Verhandlungen mit PSA hat der Mutterkonzern GM die Tochter in Rüsselsheim erst am Dienstagmorgen informiert, wie das „Manager Magazin“ schreibt. Ein Opel-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Spitze des Opel-Mutterkonzerns reiste am Mittwoch nach Rüsselsheim. GM-Chefin Mary Barra und der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Dan Ammann wollten sich am Mittwoch zu Gesprächen treffen, wie ein Opel-Sprecher bestätigte. Er machte aber keine Angaben zu Gesprächspartnern und Inhalt. Es seien anschließend keine Stellungnahmen geplant.

Unterdessen hat der mögliche Opel-Deal der französischen PSA-Gruppe auch die deutsche Politik erreicht. Die Bundesregierung misst nach den Worten von Arbeitsministerin Andrea Nahles dem Erhalt der drei deutschen Opel-Standorte den höchsten Rang bei. „Die Bundesregierung hat heute im Kabinett das Thema Opel intensiv diskutiert“, sagte sie am Mittwoch in Berlin. Sie forderte von der zuständigen Konzernleitung, dringend das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern zu suchen. Es gebe schon Gespräche auf verschiedenen Ebenen mit Opel und deren Konzernmutter GM sowie mit PSA. Oberste Priorität habe die Sicherung der drei Opel-Standorte in Deutschland.

Peugeot teilte in Paris mit, Konzernchef Carlos Tavares suche das Gespräch mit ranghohen deutschen Regierungsvertretern. Medienberichten zufolge strebt er ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über den Vorstoß berichtet.

Bundesregierung und IG Metall hatten sich von den Verkaufsgesprächen zwischen der Peugeot-Mutter PSA und dem Opel-Eigner General Motors überrascht gezeigt. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte die Konzerne kritisiert. Es sei „inakzeptabel“, dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten.

Die Konzerne loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen und waren zwischenzeitlich auch auf der Kapitalseite miteinander verbunden. Bei einer Übernahme würde PSA zum zweitgrößten Autoproduzenten in Europa hinter Volkswagen aufsteigen.

Nähmaschinen, Laubfrosch und ein Raketenantrieb
Die Marke mit dem Blitz - Opel
1 von 31

Nach jahrelangen Verlusten geht Opel in die Hände von Peugeot. Der Detroiter Mutterkonzern General Motors verkauft seine Rüsselsheimer Tochter an den französischen Konkurrenten. Die über 150 Jahre dauernde Firmengeschichte des deutschen Autobauers ist sowohl von technischen Innovationen und Rekorden, als auch von Erfolgen maßgeblich geprägt. Doch insbesondere in den vergangenen 30 Jahren hat sich diese Erfolgsgeschichte gedreht.

Anfang mit Nähmaschinen
2 von 31

1862 beginnt Adam Opel in der väterlichen Schlosserwerkstatt mit dem Bau von Nähmaschinen. Hier zu sehen: Adam Opels erste handgefertigte Nähmaschine aus selbigem Jahr.

Opels Markenlogo 1862
3 von 31

Noch keine Spur vom Opel-Blitz: Das erste Opel-Markenzeichen, 1862 - die Initialen Adam Opels. Das Unternehmen, das inzwischen in sehr unruhiges Fahrwasser geraten ist, versucht auch heute noch ein Image von Traditionalität abzuliefern.

Fahrrad „Velociped“
4 von 31

Bald folgen Fahrräder. 1886 verlässt das erste „Velociped“ die Fabrik. Die Räder aus Rüsselsheim sind populär. Mitte der 1920er Jahre ist Opel größter Zweiradproduzent der Welt. Längst stellt Opel auch Motorräder her. Hier leistet Wilhelm Opel einem Sportskameraden Starthilfe.

„Patent Motorwagen System Lutzmann“
5 von 31

Die Geschichte des Automobilbaus beginnt 1899. Opel ist damit – nach Daimler-Benz – der zweitälteste Autohersteller Deutschlands. Der „Patent Motorwagen System Lutzmann“ macht den Anfang.

Erste Eigenkonstruktion: Modell 10/12PS
6 von 31

Im Herbst 1902 präsentiert Opel dann mit dem Modell 10/12 PS seine erste Eigenkonstruktion. Die Autos finden reißenden Absatz: Bis 1906 haben bereits über 1000 Fahrzeuge die Werkshallen verlassen (Bild ist von ca. 1930).

Zweizylinder-Luxus-Motorrad
7 von 31

Opel Zweizylinder-Luxus- Motorrad mit 3 1/2 PS und elektromagnetischer Zündung aus dem Jahr 1905.

Bei Opel stehen nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer Tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten, betonte Dudenhöffer am Mittwoch. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums. Mindestens ein Drittel der rund 15.000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition.

Die Opel-Produktion würde voraussichtlich in den ebenfalls nicht ausgelasteten PSA-Autobau eingegliedert. Das lasse sich aus der bisherigen Mehrmarken-Strategie der PSA mit Peugeot, Citroen und DS ablesen. „Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden“, betonte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die vorhandenen Kapazitäten seien eher zu groß, so dass die Lage für die Opel-Werke in Eisenach und Kaiserslautern über Nacht schlechter geworden sei.

SPD fordert Erhalt deutscher Standorte
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Peugeot-Deal mit GM - Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht

6 Kommentare zu "Peugeot-Deal mit GM: Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Meine erstes eigenes Auto war ein Opel Kadett. Er hat es auf fast 200.000 km gebracht. Der Motor hätte auch noch mindestens weitere 100.000 km locker durchgehalten, ABER: in seinem letzten Lebensjahr stand er mehr Tage in der Werkstatt als bei mir in der Garage. Als dann der Anlasser ausgerechnet an der Schranke eines Parkhauses verreckte, reichte es mir, und er wanderte zum Schrotthändler. Nun fahre ich seit 12 Jahren einen Toyota (älterer Generation, der auch noch in Japan gebaut wurde). Kein Rost keine größeren Reparaturen, nur Ersatz von Verschleißteilen. Opel? Garantiert nie mehr.

  • Erwarten Sie allen Ernstes, daß ein Unternehmen, das ständig Verlust macht, ewig weiterbestehen kann? Erwarten Sie im Ernst, daß ein Unternehmer erst die Erlaubnis der Arbeitnehmer benötigt, bevor er Zukunftslösungen ausloten darf?

  • Der Chef wurde ueberrascht....????
    Whatta a Chef...wohl noch im Winterschlaf(f)-Modus !!
    aber: GM hat auf aehnliche Weise auch die MARKE SATURN in den USA eingestampft... unerwartet und ueberraschend...!
    ..und das war auch gut so, fuer die US Steuerzahler & letztlich auch fier die Aktionaere von GM!
    Die PSA =Group hat ein enges Haendlernetz in GB, so dass die VAUXHALLs auch "geserviced" warden koenen, nach dem Einstampfen der Marke OPEL...!

    R.I.P.

  • Hoffentlich halten sich da unsere Polit Versager raus!!!
    Was die anpacken wird nichts ... DB, BER, Kassel Kalden, Hahn etc..

  • GM-Chefin Mary Barra weiß auch das die Branche vor einem Umbruch steht. Schon heute wird gewarnt,dass durch die Elektrifizierung der Fahrzeuge viele Teile nicht mehr benötigt werden. Das Geschäft machen dafür Zulieferer wie die Schaeffler-Gruppe und Bosch. Man sollte in diesem Zusammenhang auch daran denken wie hoch der Kapazitätsbedarf für Strom 2030 sein wird um die ganzen Fahrzeuge aufzuladen. Möglicherweise werden neue Stromtrassen benötigt. Die Bundesnetzagentur sollte den Bedarf schon einmal schätzten.

  • Gehört Opel jetzt Merkel?
    Muss Sie die Ausreisegenehmigung für Opel unterschreiben?
    Hoffentlich ist er gut vorbereitet, das muss man auch sein, wenn man Merkel versucht ein thematisches "Neuland" näher zu bringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%