Peugeot-Deal mit GM
Opel-Chef wurde von Übernahmeplänen überrascht

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SPD fordert Erhalt deutscher Standorte

Der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz erwartet, dass die mögliche Übernahme vor allem Arbeitsplätze in Deutschland bedrohen könnte. „Wenn die PSA-Gruppe Opel tatsächlich übernimmt, dann sind das Montagewerk in Eisenach und das Motorenwerk in Kaiserslautern extrem gefährdet“, sagt Franz im Gespräch mit der „Zeit“. Fast 4000 Arbeitsplätze stünden allein dort auf dem Spiel. „Mir blutet das Herz“, sagt Franz.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Bernd Westphal fordert bei einer Übernahme durch Peugeot eine Zusage zum Erhalt deutscher Standorte und damit der Arbeitsplätze. „Es muss auch eine klare Zusage für Investitionen in die deutschen Betriebe zu technologischen Weiterentwicklungen geben“, sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Übernahme selbst könne durchaus Sinn ergeben, zumal GM die Standorte in der Bundesrepublik in der Vergangenheit alles andere als großzügig behandelt habe.

Die Informationspolitik der Beteiligten über das Vorhaben sei allerdings „grottenschlecht“, sagte Westphal. Die Arbeitnehmervertreter hätten frühzeitig informiert werden müssen. Auch die Politik habe diesen Anspruch. „Ich finde das Vorgehen insofern nicht klug“, sagte er.

Für Opel selbst könnten sich durch die neue Konstellation Möglichkeiten ergeben, mit neuen Modellen auch neue Märkte erschließen zu können, sagte der Experte. Insofern gelte bei einer Peugeot-Übernahme: „Das muss nicht negativ sein“. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP), in dessen Land sich der Opel-Standort Kaiserslautern befindet, hatte sich zuvor ähnlich geäußert.

Auch die britische Regierung hat wegen des angedachten Rückzugs von General Motors aus dem Europageschäft Kontakt zum führenden US-Autobauer aufgenommen. Die Regierung in London habe ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Man werde die Situation genau verfolgen und mit GM in engem Kontakt zu bleiben. Die Autobranche auf der Insel steht nach Brexit-Votum ohnehin unter Druck.

Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochter seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert und auch 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen US-Dollar (241 Millionen Euro). Das war immerhin eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor.

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  • Meine erstes eigenes Auto war ein Opel Kadett. Er hat es auf fast 200.000 km gebracht. Der Motor hätte auch noch mindestens weitere 100.000 km locker durchgehalten, ABER: in seinem letzten Lebensjahr stand er mehr Tage in der Werkstatt als bei mir in der Garage. Als dann der Anlasser ausgerechnet an der Schranke eines Parkhauses verreckte, reichte es mir, und er wanderte zum Schrotthändler. Nun fahre ich seit 12 Jahren einen Toyota (älterer Generation, der auch noch in Japan gebaut wurde). Kein Rost keine größeren Reparaturen, nur Ersatz von Verschleißteilen. Opel? Garantiert nie mehr.

  • Erwarten Sie allen Ernstes, daß ein Unternehmen, das ständig Verlust macht, ewig weiterbestehen kann? Erwarten Sie im Ernst, daß ein Unternehmer erst die Erlaubnis der Arbeitnehmer benötigt, bevor er Zukunftslösungen ausloten darf?

  • Der Chef wurde ueberrascht....????
    Whatta a Chef...wohl noch im Winterschlaf(f)-Modus !!
    aber: GM hat auf aehnliche Weise auch die MARKE SATURN in den USA eingestampft... unerwartet und ueberraschend...!
    ..und das war auch gut so, fuer die US Steuerzahler & letztlich auch fier die Aktionaere von GM!
    Die PSA =Group hat ein enges Haendlernetz in GB, so dass die VAUXHALLs auch "geserviced" warden koenen, nach dem Einstampfen der Marke OPEL...!

    R.I.P.

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