Pfandpflicht
Pet-Flaschen auf dem Vormarsch

Der Boom der Getränkekartons nach dem Start des Einwegpfands erweist sich als Strohfeuer. Bewusst setzen manche auf Plastikflaschen, um am „Pfandschlupf“ zu verdienen.

DÜSSELDORF/ZÜRICH. Die 2003 in Deutschland eingeführte Pfandpflicht auf Einwegverpackungen für Getränke sorgt dafür, dass ausgerechnet die vom Gesetzgeber als „ökologisch vorteilhaft“ eingestufte Kartonverpackung zunehmend aus den Supermarktregalen verschwinden. „Die Einzelhändler in Deutschland haben uns gegenüber deutlich gemacht, in den nächsten Jahren im Bereich Fruchtsäfte verstärkt auf Pet-Flaschen umzusteigen“, klagt Thomas Werder, Sprecher des Schweizer Kartonverpackungsherstellers SIG.

Ihren Siegeszug verdanken die Kunststoffflaschen aus Polyethylenterephthalat – kurz Pet – einer Gesetzeslücke der deutschen Verpackungsverordnung: Bis zum Mai des kommenden Jahres dürfen Lebensmittelhändler die Annahme leerer Einwegflaschen verweigern, wenn ihre eigenen nach „Art, Form und Größe“ von denen der Wettbewerber abweichen. Für solche „Insellösungen“ kam ihnen der Verpackungskunststoff Pet wie gerufen. „Das Einweg-Pfand hat die Pet-Flasche bei den Kunden prominent gemacht“, sagt Andreas Rottke, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen.

Nicht nur die meist in Mehrwegsystemen eingesetzten Glasflaschen leiden darunter, sondern auch die Getränkekartons – und das, obwohl sie wegen ihrer guten Ökobilanz von der Pfandpflicht befreit sind. „Wir sehen klar den Trend, dass der Karton unter Druck gerät“, sagt Jürgen Heinisch, Geschäftsführer bei der Wiesbadener Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM).

In Einzelfällen verdienen Lebensmittelhändler sogar an der Umstellung von pfandfreien Getränkekartons auf bepfandete Pet-Flaschen. Ein Grund dafür liegt im Verhalten vieler Kunden: Sie kaufen die Plastikflaschen, zahlen Pfand, lösen es aber nicht ein, sondern werfen die Flaschen achtlos weg. Damit bescheren sie den Händlern zusätzliche Einnahmen, deren exakte Höhe kaum zu berechnen ist. Nach Angaben der Verpackungshersteller beschert der so genannte „Pfandschlupf“ den Supermärkten in diesem Jahr eine halbe Milliarde Euro. Zu ähnlichen Schätzungen kamen vor längerer Zeit bereits der WDR und der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV). Beim Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels wollte man dazu nicht Stellung beziehen.

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