Pfizer, Allergan

Obama lässt 160-Milliarden-Dollar-Megafusion platzen

Pfizer hat die 160-Milliarden-Dollar teure Fusion mit Allergan abgesagt. Nicht nur in der Pharmabranche dürften durch den Eingriff der US-Regierung weitere mögliche Megaübernahmen in Frage stehen. Ein Kommentar.
Der „hart arbeitende Amerikaner“ fühle sich betrogen, wenn Unternehmen Vorteile aus Steuerlücken ziehen, sagte US-Präsident Barack Obama Anfang dieser Woche. Quelle: dpa
US-Regierung

Der „hart arbeitende Amerikaner“ fühle sich betrogen, wenn Unternehmen Vorteile aus Steuerlücken ziehen, sagte US-Präsident Barack Obama Anfang dieser Woche.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIan Read ist ein erfahrener Pharmamanager, der die geschickte Rhetorik beherrscht. Und so nannte er im November 2015 die geplante Fusion des US-Pharmakonzerns Pfizer mit dem Konkurrenten Allergan einen „Segen für Amerika“. Mit einem Volumen von 160 Milliarden Dollar sollte es die größte Pharmafusion der Geschichte werden. Ein „Segen“ deshalb, weil der fusionierte Konzern seinen Sitz in Dublin haben sollte. Die vielen Milliarden, die Pfizer dadurch an Steuern spart, würden den Pfizer-Forschungslaboren in den USA zu Gute kommen, warb Read.

Read wusste schon damals, dass das Vorhaben auf wackeligen Füßen steht. Führende US-Politiker kritisierten diese Art der Steuerflucht aus den USA schon länger. Es war daher absehbar, dass die Regierung die sogenannten Tax-Inversion-Deals weiter einschränken würde.

Das tut sie jetzt. Denn als einen Segen empfindet dies Präsident Barack Obama keineswegs. Im Gegenteil: Der „hart arbeitende Amerikaner“ fühle sich betrogen, wenn Unternehmen Vorteile aus Steuerlücken ziehen, sagte Obama Anfang dieser Woche.

Pfizer hat die Großübernahme nun abgesagt. Die angekündigten neuen Beschränkungen für die Verlagerung des steuerlichen Firmensitzes ins Ausland machen den Deal obsolet. Die erhofften Synergien in Milliardenhöhe sind nicht zu erreichen, weil der neue Pfizer-Konzern in Dublin nicht in den Genuss der erwarteten Steuerersparnis kommen würde.

Pfizer und Allergan sahen offenbar von Beginn an eine hohes Risiko, dass der Deal an der US-Politik scheitert. Denn die sogenannte Breakup-Fee, der Betrag, den ein Vertragspartner beim Scheitern der Fusion zahlen muss, beträgt nur 400 Millionen Dollar – ein bemerkenswert kleiner Wert bei eine derartigen Megafusion.

Die US-Politik hat nun unmissverständlich klargemacht, dass sie derartige Fusionen nicht mehr duldet – und das ist gut so. Es ist grundsätzlich gefährlich, wirtschaftliche Entscheidungen vorwiegend aus steuerlichen Gründen zu fällen. Jeder Privatanleger kennt das: Was heute steuerlich lockt, kann schon morgen dahin sein – einfach, weil Steuergesetze geändert wurden.

Diese Deals schrieben Geschichte
Bayer kauft Monsanto
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Der Chemiekonzern Bayer übernimmt im September 2016 nach monatelangen Verhandlungen den US-Saatguthersteller Monsanto. Dabei wurde das US-Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Es wäre die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Doch es gab in der Wirtschaftsgeschichte noch größere Übernahmen.

Platz 10: Royal Dutch kauft Shell Transport & Trading
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Die Unternehmen Shell Transport & Trading und Royal Dutch Petroleum waren schon seit fast 100 Jahren miteinander verflochten. Im Juli 2005 wurden aber beide Teile endgültig miteinander zur Royal Dutch Shell vereinigt. Wert des Deals damals: 80,10 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Exxon und Mobil waren im Jahr 1882 Teile eines einzigen Unternehmens, der Standard Oil Company von John D. Rockefeller. 1911 ordnete der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an, die Unternehmen Exxon und Mobil entstanden.

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Erst am 30. November 1999 konnten die beiden bis dahin immens gewachsenen Konzerne dank geänderter gesetzlicher Bestimmungen wieder vereinigt werden. Exxon kaufte Mobil damals für die Summe von 80,3 Milliarden Dollar.

Platz 8: AT&T kauft Bell South
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Die Geschichte von AT&T und Bell South steht für das Hickhack auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt. Bell South war eine von sieben sogenannten Regional Bell Operating Companies, die aus einem Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen AT&T im Jahre 1984 hervorgegangen waren. AT&T wurde in diesem Verfahren gezwungen, seine Beteiligungen an sämtlichen regionalen Telefongesellschaften aufzugeben. Ende des Jahres 2006 wurde die Gesellschaft wiederum erneut von AT&T erworben und wieder mit dieser verschmolzen. Kaufpreis: 83,1 Milliarden Dollar.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Pfizer war schon einmal für eine große Übernahme gut: In den späten 90ern kooperierte der Pharmahersteller Warner-Lambert mit Pfizer, um sein Medikament Lipitor auf den Markt zu bringen. Das Mittel wurde zur Regulierung des Cholesterinspiegels eingesetzt.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Die Einführung im Januar 1997 des Mittels war ein großer Erfolg, allein in den ersten zwölf Monaten wurde in den USA eine Milliarde Dollar eingenommen. Pfizer fand daraufhin wohl so viel Gefallen an Warner-Lambert, dass die Firma im Jahr 2000 für die Summe von 87,3 Milliarden Dollar übernommen wurde.

Das gilt umso mehr bei einem Projekt mit einer derart großen Tragweite, wie es Pfizer und Allergan geplant hatten. Bei Fusionen von Unternehmen können steuerliche Aspekte eine Rolle spielen, sie sollten aber niemals das Hauptargument sein.

Erfolgreiche Zusammenschlüsse fußen darauf, dass sie den kombinierten Unternehmen entweder neue Wachstumsperspektiven bringen oder dass sie zu dauerhaft geringeren Kosten etwa im Vertrieb und in der Produktion führen – im besten Fall sogar beides. Das bringt langfristig viel mehr Vorteile als eine Steuerersparnis, die schon morgen per Gesetzesänderung obsolet werden kann, beispielsweise durch öffentlichen Druck.

Die Pharmaindustrie und ebenso andere Branchen tun sich mit solchen vorwiegend finanztechnisch getriebenen Megaprojekten keinen Gefallen. Die US-Politik sendet für diese Sichtweise nun ein starkes Signal.

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