Pfizer kauft Botox-Hersteller Allergan
Viagra-Hersteller lässt sich liften

Die drittgrößte Übernahme der Geschichte ist perfekt: 160 Milliarden Dollar zahlt der Pharmakonzern Pfizer für Allergan. Bald gibt es Potenzmittel und Faltenglätter aus einer Hand. In den USA regt sich schon jetzt der Zorn.

DüsseldorfIn den USA entsteht eine neuer Pharmagigant: Der Viagra-Hersteller Pfizer übernimmt für 160 Milliarden Dollar den Konkurrenten Allergan, der vor allem für seinen Faltenglätter Botox bekannt ist. Beide Unternehmen einigten sich auf einen Zusammenschuss per Aktientausch.

Es ist ein Deal der Superlative. Das neue Unternehmen kommt auf einen Umsatz von rund 64 Milliarden Dollar und löst die Schweizer Novartis als weltgrößter Arzneihersteller ab. Zugleich ist es die teuerste Übernahme im Pharmasektor überhaupt.

Betrachtet man alle Firmenzukäufe der Wirtschaftsgeschichte, so landet der nun verkündete Deal auf Platz drei. Nur die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone und der Kauf des Medienkonzerns Time Warner durch den Onlinedienst AOL kamen auf ein höheres Volumen – in beiden Fällen aus dem Jahr 2000 waren es annähernd 190 Milliarden Dollar.

Pfizer zahlt einen bemerkenswert hohen Preis für eine Firma, die in diesem Jahr voraussichtlich auf einen Umsatz von 16 Milliarden Dollar kommen wird. Allergan verfügt zwar über wachstumsstarke Produkte – neben dem Nervengift Botox, dass auch in der neurologischen Behandlung eingesetzt wird, zählen dazu Mittel gegen Augenerkrankungen wie Grüner Star und Lidkrämpfe – doch das allein hat Pfizer nicht dazu getrieben, 160 Milliarden Dollar für Allergan auszugeben.

Der Deal kommt eher einer Flucht aus den USA gleich: Hauptmotiv ist der Firmensitz von Allergan in Dublin. Der Konzern ist selber ein Produkt verschiedener Fusionen in den vergangenen Jahren, er hat seine operatives Geschäft ganz überwiegend in den USA. Doch der steuerliche Sitz ist Dublin. Dort gilt für Unternehmen ein Körperschaftssteuersatz von deutlich unter 20 Prozent. In den USA hingegen zahlen Firmen bis zu 36 Prozent Steuern.

Pfizer wird im Zuge der Fusion seinen Firmensitz in die irische Hauptstadt verlegen, das operative Geschäft wird aber weiterhin aus der Zentrale in New York geführt. Damit senkt der Konzern nicht nur seine Steuerquote für künftige Einnahmen. Er kann nun auch unbesorgt seine im Ausland geparkten Gewinne einsetzen – bei einem Transfer in die USA wären der dort übliche Steuersatz angefallen. Ersten Berechnungen zufolge sinkt im ersten Jahr des Zusammenschlusses der Steuersatz von Pfizer von 25 auf 17 Prozent. Das macht gemessen am Jahresgewinn rund eine Milliarde Dollar mehr in der Kasse - Geld, dass Pfizer in die Entwicklung neuer Medikamente stecken will. Davon werde "ganz Amerika profitieren", sagt Pfizer-Chef Ian Read und wirbt so in der Öffentlichkeit und in der Politik für seine Pläne.

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