22.01.2007

Pharmabranche: Pfizer streicht tausende Stellen

Der US-Pharmariese Pfizer treibt sein Sparprogramm massiv voran und will weltweit 10 000 Stellen streichen. Allein in Europa sollen mehr als ein Fünftel der Vertriebsmitarbeiter das Unternehmen verlassen. Zudem will Pfizer sein Werk in Feucht bei Nürnberg verkaufen.

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HB NEW YORK. Ziel der Maßnahmen ist es, bis 2008 insgesamt fünf Milliarden Dollar einzusparen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Die 10 000 zur Disposition stehenden Stellen entsprechen zehn Prozent der weltweiten Mitarbeiterzahl. Sie schließen die 2200 Arbeitsplätze in den USA ein, deren Streichung Pfizer bereits zuvor angekündigt hatte.

In Feucht, wo pharmazeutische Wirkstoffe für Drittkunden hergestellt werden, beschäftigt der Konzern rund 470 Mitarbeiter. Der Standort passe jedoch nicht mehr in die strategische Ausrichtung von Pfizer, auch wenn er sich als erfolgreich erwiesen habe, sagte ein Sprecher von Pfizer-Deutschland. „Nun wird versucht, einen Käufer zu finden, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“ Insgesamt beschäftigte Pfizer 2005 laut Internet-Seite etwa 5 200 Mitarbeiter in Deutschland.

Auch die Schließung zweier Werke in den USA ist geplant. Insgesamt würde Pfizer damit zwischen 2003 und 2008 die Zahl seiner Produktionsstätten von 93 auf 48 verringern. Pfizer will so den harten Wettbewerbsdruck besser kontern und seine Ertragslage verbessern. 2007 werde der Gewinn je Aktie voraussichtlich in der Spanne von 2,18 Dollar bis 2,25 Dollar liegen, was einem Anstieg von 5,8 bis 9,2 Prozent zum Vorjahr entsprechen würde.

Nachahmer-Medikamenten setzen Pfizer zu

Das vergangene Jahr schloss Pfizer nur wegen eines milliardenschweren Verkaufs mit einem deutlichen Gewinnanstieg ab. Der zurückgehende Absatz seines wichtigsten Cholesterin-Senkers und die zunehmende Konkurrenz für mehrere Medikamente durch Nachahmer-Präparate drückte jedoch auf den Umsatz des Konzerns. Im Schlussquartal verzeichnete das Unternehmen nach Angaben vom Montag einen Gewinn von 9,45 Milliarden Dollar nach 2,73 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,32 Dollar.

Allerdings ist das vor allem auf den Verkauf des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten an Johnson & Johnson zurückzuführen: Bereinigt um den Verkaufserlös und andere Einmaleffekte ging der Gewinn je Aktie um zwölf Prozent auf 43 Cent zurück. Pfizer-Aktien notierten ein Prozent im Minus bei knapp 27,00 Dollar. „Während wir fast alle unserer finanziellen Ziele für das Gesamtjahr erreicht haben, bleibt das operative Umfeld schwierig, besonders bei der Konkurrenz und den Risiken, die in der Entwicklung liegen“, sagte Pfizer-Chef Jeffrey Kindler.

Trotz eines jährlichen Forschungsbudgets von sieben Milliarden Dollar hat es Pfizer nicht geschafft, genügend neue Medikamente zu entwickeln, um für die Zeit gerüstet zu sein, zu der die Patente für die wichtigsten Präparate auslaufen und billigere Generika auf den Markt kommen. So läuft 2010 das Patent für das Cholesterin-Mittel Lipitor aus, das zuletzt noch für einen Jahresumsatz von 13 Milliarden Dollar steht. Ein Hoffnungsträger befindet sich derzeit nicht in der Entwicklung: Wegen schwerwiegender Sicherheitsbedenken stoppte Pfizer im Dezember die Entwicklung des Cholesterin-Mittels Torcetrapib, das pro Jahr einen Umsatz von zehn Milliarden Dollar einbringen sollte.

Der Umsatz des Antibiotikums Zithromax und des Antidepressivums Zoloft brach im abgelaufenen Quartal nach dem Auslaufen der Patente um mehr als 70 Prozent ein. Besser entwickelte sich dagegen das Geschäft mit der Potenzpille Viagra, das fünf Prozent zulegte. Der Gesamtumsatz lag mit 12,6 Milliarden Dollar knapp über dem Vorjahresniveau und etwas über den Erwartungen der Analysten.

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