Pfizer und Allergan
Wackelt die größte Pharmafusion der Geschichte?

Der Viagra-Hersteller Pfizer will für 160 Milliarden Dollar Allergan schlucken. Doch die US-Regierung plant neue Maßnahmen gegen Steuerflucht. Der Mega-Deal könnte nun eine Nummer kleiner ausfallen – oder ganz scheitern.

Washington/New YorkNeue Maßnahmen der US-Regierung gegen die Steuerflucht könnten die 160-Milliarden-Dollar Fusion von Pfizer und Allergan platzen lassen. Das US-Finanzministerium gab am Montag neue Vorschriften bekannt, die sich gegen die Verlegung von Firmensitzen ins Ausland nach Übernahmen richten. Der Pharma-Mega-Deal dürfte von einer der neuen Regeln direkt betroffen sein.

Nachbörslich brach die Allergan-Aktie um über ein Fünftel ein. Die Aktie des potenziellen Käufers Pfizer legte dagegen um drei Prozent zu. Die Konzerne kündigten an, die neuen Vorschriften zu prüfen.

Eigentlich planen der Botox-Hersteller und der Viagra-Produzent, nach dem Zusammenschluss zum weltgrößten Arzneimittel-Hersteller den Firmensitz nach Irland zu verlegen. Dem Fusionsabkommen zufolge können beide Seiten das Geschäft absagen, wenn das neue Unternehmen wegen Änderungen im Steuerrecht als US-Konzern eingestuft werden würde. Allerdings muss die Partei, die absagt, der anderen bis zu 400 Millionen Dollar zahlen.

In den USA haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzerne nach Großfusionen ihre Firmensitze ins Ausland verlegt, was massive Steuerersparnisse mit sich bringt. Diese als Inversion bezeichnete Taktik ist in den USA ein Politikum. Selbst die favorisierten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und Republikaner, Hillary Clinton und Donald Trump, sind sich ausnahmsweise einig, dass ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Regierung in Washington hatte 2014 erste Maßnahmen erlassen. Daraufhin platzte eine geplante 55-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen Shire und Abbvie.

Die vom Finanzministerium nun eingeführten Regeln sehen unter anderem Fristen für die Berücksichtigung von Zukäufen ausländischer Unternehmen in den USA vor. Das könnte Pläne für eine Inversion durchkreuzen. Allergan etwa hat in den vergangenen drei Jahren Milliarden-Zukäufe getätigt. Erst dadurch erlangte der Konzern die notwendige Größe, die die Verlagerung eines gemeinsamen Firmensitzes mit Pfizer ins Ausland überhaupt erlauben würde.

„Kurz gesagt zählen Allergans Deals der vergangenen 36 Monate nicht mehr“, erläuterte Evercore-Analyst Umer Raffat. Die entscheidende Frage sei jetzt, ob Pfizer die neuen Vorschriften als Grund betrachte, das Geschäft nicht voranzutreiben.

US-Finanzminister Jack Lew erklärte, die neue Regeln würden Inversionen erschweren. Allerdings könne nur der Kongress die Praxis komplett verbieten. Der demokratische Senator Charles Schumer aus New York kündigte neue Maßnahmen an. „Wir haben vor, noch härter vorzugehen“, sagte er.

Patentabläufe und hohe Kosten für Forschung und Entwicklung treiben derzeit das Fusionskarussell in der Pharmabranche an. Im März hatten die EU-Wettbewerbshüter der israelischen Ratiopharm-Mutter Teva die 40,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Generika-Sparte von Allergan erlaubt. Für die Genehmigung müssen allerdings einige Geschäftsbereiche verkauft werden, vor allem die Allergan-Sparten in Großbritannien und Irland.

Die EU-Kommission äußerte auch Bedenken, dass die Übernahmepläne des Generika-Weltmarktführers Teva zu Wettbewerbsnachteilen auf dem Markt mit Nachahmer-Medikamenten in Island führe. Um die Einwände der EU-Kommission auszuräumen, haben beide Unternehmen angeboten, Produkte und Geschäftsbereiche zu verkaufen. Der Übernahme müssen noch die US-Behörden zustimmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%