Pfizer & Co.
Strategiewechsel in der Pharmabranche

Der Druck auf den Pharmasektor nimmt zu. Unter dem Einfluss der Finanzmärkte bahnt sich nun ein Strategiewechsel an. Auf eine Fusionswelle scheint nun eine Phase der Aufspaltung zu folgen.
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FrankfurtBig Pharma war gestern. Jahrelang versuchten die Arzneimittelkonzerne rund um den Globus, größer und vielfältiger zu werden. Milliardenschwere Akquisitionen prägten deshalb die Industrie über Jahrzehnte. Doch jetzt scheint der Höhepunkt der Mega-Merger erreicht.

Jedenfalls steuern führende Pharmariesen nun um - und zerlegen sich selbst. Den Anfang machte vor wenigen Monaten der US-Konzern Abbott Laboratories mit der Ankündigung, seine Pharmasparte mit mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz in eine eigenständige Firma unter dem Namen Abbvie abzuspalten. Und Pfizer, der mit einem Jahresumsatz von 67 Milliarden Dollar weltweit größte Arzneimittelhersteller, gab den Rückzug aus dem Geschäft mit Tiermedikamenten und Ernährungsprodukten bekannt.

Fragt man Investoren, wird es bei diesen Einzelfällen nicht bleiben. Die Antwort der Börse jedenfalls fiel relativ eindeutig aus: Die Aktien beider Konzerne haben nach Ankündigung der Pläne überdurchschnittlich zugelegt. Und als Goldman Sachs am Dienstag in einer Research-Note berichtete, dass Pfizer-Chef Ian Read auch für eine weitergehende Aufspaltung des Branchenführers offen sei, stieg der Kurs des US-Konzerns um weitere zwei Prozent auf den höchsten Stand seit rund vier Jahren.

Pfizer, so die Spekulation, könnte in den nächsten Jahren auch das umfangreiche Geschäft mit etablierten, patentfreien Medikamenten abspalten. Seit Oktober hat der Konzern rund ein Viertel an Wert gewonnen. Abbott legte im gleichen Zeitraum um gut 20 Prozent zu, und damit ebenfalls deutlich besser als die großen Pharmakonzerne.

Die Kursperformance werde andere Firmenchefs unter Druck setzen, ähnliche Strategien ins Auge zu fassen, schätzt Goldman-Analystin Jami Rubin. In Europa dürfte davon neben Novartis vor allem Bayer betroffen sein. Der Konzern ist nicht nur im Gesundheitsbereich breit aufgestellt, sondern auch noch im Kunststoff- und Agrochemiegeschäft aktiv. Analysten von Kepler Capital Markets berechneten vor einigen Wochen, dass eine Aufspaltung in drei Teile den Kurs um zwölf Euro steigern könnte.

Doch woher kommt der Sinneswandel einer Branche, die sich immer weiter konsolidierte - und in der nur den allergrößten Unternehmen Überlebenschancen eingeräumt wurden?

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