Pfizer will Schmerzmittel Celebrex auf dem Markt halten - Aktienkurs weiter unter Druck
Pharmafirmen droht schärfere Kontrolle von Medikamenten

Die Pharmabranche muss sich auf eine intensivere Überwachung von Medikamenten und verschärfte Auflagen bei Neuzulassungen einstellen. Davon gehen Branchenexperten aus, nachdem in der vergangenen Woche eine Studie erhöhte Herzkreislauf-Risiken bei dem Schmerzmittel Celebrex des US-Konzerns Pfizer offenbarte.

FRANKFURT/M. Die Krise um Celebrex hat die Perspektiven des weltweit führenden Pharmaherstellers eingetrübt und zugleich die Debatte um die Wirkstoffgruppe der Coxibe weiter verschärft. Neben Celebrex gehört zu diesen Schmerzmitteln auch Vioxx, das der US-Konzern Merck & Co. Ende September vom Markt genommen hatte.

Bereits im November verständigte sich eine internationale Expertengruppe auf neue Richtlinien für die „Pharmacovigilanz“, das heißt die Überwachung von Medikamenten nach der Markteinführung. Der Vorschlag der so genannten ICH- Konferenz soll als Grundlage für entsprechende Regelungen der Behörden in Europa, den USA und Japan dienen. Zudem dürfte sich das Verhalten der Ärzte verändern. Die wachsende Furcht vor Nebenwirkungen werde zu größerer Vorsicht bei neuen Medikamenten führen, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank.

Bereits mit der Rücknahme von Vioxx war in den USA die Zulassungsbehörde FDA heftig unter Beschuss geraten. Kritiker werfen der Behörde vor, zu stark auf die Neuzulassung von Wirkstoffen ausgerichtet zu sein und zu wenig auf die Sicherheit zu achten. Die Behörde sei auf Grund ihrer Struktur praktisch nicht in der Lage, Sicherheitsrisiken wie im Falle Vioxx zu erkennen und zu vermeiden. Diese Debatte dürfte sich mit dem Fall Celebrex weiter verschärfen.

Ob die gesamte Wirkstoff-Gruppe der Coxibe vom Markt verschwinden wird, bleibt allerdings umstritten. Anders als Merck im Falle Vioxx hält Pfizer bislang an der Vermarktung von Celebrex fest. Der Konzern stoppte allerdings in den USA seine Endverbraucher- Werbung für das Mittel. Der Aktienkurs des Konzerns gab gestern weiter nach, nachdem er am Freitag bereits um elf Prozent gefallen war.

Ebenso wie die US-Arzneimittelbehörde FDA hat gestern auch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) deutliche Einschränkungen bei der Anwendung von Celebrex empfohlen. Man halte es nicht mehr für vertretbar, Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzkreislauferkrankungen oder solchen Erkrankungen in der Vorgeschichte mit Celebrex zu behandeln. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hatte bereits vor wenigen Wochen eine neue Untersuchung der Wirkstoffe angeordnet.

Eine definitive Entscheidung bei Pfizer über das weitere Vorgehen in Sachen Celebrex wird für die kommenden Tage erwartet. Da bislang nur in einer Studie erhöhte Risiken für Herzattacken und Schlaganfälle beobachtet wurde, sieht der US- Konzern noch keinen Anlass das Mittel komplett vom Markt zu nehmen. Auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Bruno Müller- Oerlinghausen, sprach sich gestern gegen einen völligen Verzicht auf Coxibe aus. „Nach meiner Meinung sollte eine Substanz wie Celebrex am Markt bleiben unter der Voraussetzung, dass sie tatsächlich nur eingeschränkt und mit ärztlicher Vernunft verordnet wird“, sagte er der Nachrichtenagentur DPA.

In Deutschland werden nach Angaben von Pfizer derzeit etwa 320 000 Menschen mit Celebrex behandelt und 600 000 mit Bextra, einem weiteren Vertreter der Coxibe von Pfizer, bei dem sich ebenfalls bereits Herzkreislauf-Risiken gezeigt hatten.

Mit der Entscheidung, an Celebrex und Bextra festzuhalten, begibt sich Pfizer auf eine gewisse Gratwanderung. Denn sollte man die Mittel doch vom Markt nehmen müssen, könnte sich für Schadensersatz-Klagen eine größere Angriffsfläche bieten. Bislang sehen die meisten Analysten Pfizer noch in einer deutlich besseren Situation als den Konkurrenten Merck, der seit dem Rückruf von Vioxx mehr als ein Drittel seines Marktwertes eingebüßt hat. Die Klagerisiken bei Merck werden auf bis zu 18 Mrd. Dollar geschätzt.

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