Pfizer wirbt um Allergan

Viagra-Konzern will Botox mit Preisaufschlag ködern

Es wäre der größte Deal des Jahres: Der Arzneimittelkonzern Pfizer will den Konkurrenten Allergan offenbar mit deutlichen Aufschlägen übernehmen – am besten noch vor der geplanten Verschärfung von US-Steuergesetzen.
Derzeit befindet sich das Pfizer-Hauptquartier in New York. Bei einer Allergan-Übernahme könnte das Management erwägen, nach Dublin umzuziehen – wegen geringerer Steuersätze. Quelle: AFP
Verlegung des Hauptsitzes

Derzeit befindet sich das Pfizer-Hauptquartier in New York. Bei einer Allergan-Übernahme könnte das Management erwägen, nach Dublin umzuziehen – wegen geringerer Steuersätze.

(Foto: AFP)

New YorkVor einer geplanten Verschärfung der Steuergesetze in den USA wirbt Pfizer offenbar mit deutlichen Aufschlägen um den Konkurrenten Allergan. Der Viagra-Hersteller will einem Insider zufolge 370 bis 380 Dollar je Aktie für den Botox-Produzenten auf den Tisch legen, was einem Kaufpreis von 150 Milliarden Dollar entspricht. Ob es zu einem Abschluss der Transaktion kommt, sei jedoch noch offen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch. Dies hängt möglicherweise auch von einer Gesetzesinitiative in den USA ab, die es US-Konzernen erschweren soll, mittels Fusionen ihren Firmensitz zumindest teilweise ins Ausland zu verlagern. Damit entgehen den USA Steuereinnahmen.

Mit einer Übernahme von Allergan könnte Pfizer genau diese Strategie verfolgen, denn der Botox-Hersteller hat seinen Sitz im irischen Dublin. Dort greift der Fiskus weniger stark zu als in den USA. Für Pfizer ist es der zweite derartige Versuch: Vor anderthalb Jahren war der Konzern mit dem geplanten Kauf der britisch-schwedischen AstraZeneca trotz eines Gebots von 118 Milliarden Dollar gescheitert. Pfizer plante, im Zuge der Transaktion seinen Steuersitz nach Großbritannien zu verlagern – auch dort sind die Unternehmenssteuern niedriger als in den USA. Noch in dieser Woche sollen Details zu den Regierungsplänen vorgelegt werden, wie die Verlagerung von Firmensitzen durch Fusionen mit kleineren Rivalen erschwert werden sollen, hieß es in einem Brief von US-Finanzminister Jack Lew an Parlamentarier, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Das Management bleibt bei derartigen Geschäften häufig in den USA.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Pfizer gilt wie Apple und Amazon als ein Konzern, der über Tochtergesellschaften Steuern im Heimatland vermeidet. Einer Prüfung von Reuters zufolge hat Pfizer für mehr als ein Jahrzehnt Gewinne in den USA über einer irische Tochter mit Sitz in dem County Cork verrechnet. Reuters nahm Firmenveröffentlichungen und -angaben sowie Patentinformationen unter die Lupe. Der Pharmakonzern erklärte dazu, jedes Unternehmen tue alles, um die Steuerschuld niedrig zu halten.

Schließen sich Pfizer und Allergan zusammen, entstünde der weltweit größte Arzneimittelhersteller. Die Firmen hatten Ende Oktober bestätigt, miteinander zu sprechen. Details waren bislang noch nicht bekannt. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme über den möglichen Kaufpreis ab. Derzeit notieren die Allergan-Aktien bei etwa 310 Dollar. Über den nun gebotenen Preis hatte zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Sollte die Fusion zustande kommen, wäre es die größte in diesem Jahr überhaupt.

Diese Übernahmen scheiterten spektakulär
Bank of Scotland - National Westminster Bank 1999
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NatWest-Vorstandsvorsitzender Sir David Rowland (r.) im Jahr 1999: Die National Westminster Bank (NatWest), eine der größten britischen Banken, hat 1999 nach zweieinhalb Monaten den Kampf um ihre Unabhängigkeit verloren. Bieter waren die Royal Bank of Scotland und der Konkurrent Bank of Scotland. Die Bank of Scotland bot 41,74 Milliarden Dollar – zu wenig für die NatWest. Den Übernahmekampf hat die RBS gewonnen.

Quelle: Dealogic

France Telecom - TeliaSonera 2008
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France Telecom-Chef Stephane Richard auf einer Konferenz 2015: Vor sieben Jahren erhoffte sich France Telecom, mit der Übernahme des schwedisch-finnischen Konkurrenten TeliaSonera zum viertgrößten Telekommunikationskonzern der Welt aufzusteigen. Doch beide Konzerne konnten sich auf kein passendes Angebot einigen. Die Franzosen wollten den Konkurrenten für 41,78 Milliarden Dollar kaufen.

Bell Atlantic - Airtouch 1999
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Bell-Atlantic-Chef (l., hier mit GTE-Chef Charles R. Lee) auf einer Pressekonferenz 1998: Um die amerikanische Telekommunikationsfirma AirTouch Communications war im Jahr 1999 offenbar ein Übernahmekampf entbrannt. Obwohl die geplante Übernahme des Telefonkonzerns GTE noch nicht perfekt war, wollte Bell Atlantic den Mobilfunkanbieter kaufen – für 44,05 Milliarden Dollar. Doch zur Übernahme kam es dann doch nicht. Als Grund nannte Bell Atlantic die anstehende Fusion von Airtouch mit dem britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone.

General Electric - Honeywell 2000
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General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt spricht vor Mitarbeitern im Jahr 2014: Zunächst schien der umfangreichsten Fusion der Welt im Jahr 2000 nichts im Weg zu stehen. General Electric hat die Bieterschlacht um Honeywell International gewonnen. Die Übernahme kostete General Electric (GE) 44,16 Milliarden Dollar. Doch die EU-Kommission hat die Übernahmeofferte des US-Mischkonzerns General Electric für den Technologieriesen Honeywell kurz darauf abgelehnt. Die Fusion würde für GE eine marktbeherrschende Stellung in der Luftfahrtindustrie schaffen oder verstärken, war die Begründung der Kommission damals.

Comcast - Time Warner Cable 2014
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Ein Fahrzeug von Comcast: Es sollte die Mega-Hochzeit im US-Fernsehmarkt werden. Comcast, der größte Kabelfernseh-Anbieter in den USA, wollte die Nummer zwei, Time Warner Cable, übernehmen. Mitte April 2015 ist der Deal (45,25 Milliarden Dollar) geplatzt. Wettbewerbshüter und Regierung senkten die Daumen. Sie fürchteten eine zu große Marktmacht des neuen Konzerns.

Microsoft - Yahoo 2008
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Microsoft-Chef Satya Nadella im Jahr 2014: Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft 2008 sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Nachdem Microsoft das Angebot von 47,48 Milliarden Dollar zum zweiten Mal verbessert hatte, war Yahoo damit nicht zufrieden. Yahoo lehnte das Microsoft-Angebot ab und verlangte weit mehr als 50 Milliarden Dollar.

Comcast- Mediaone 1999
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Mediaone-Chef Charles M. Lillis (l.) und Comcast-Chef Brian Roberts bei einer Pressekonferenz im Jahr 1999: Es hätte wieder eine Elefantenhochzeit gegeben – eine rein US-amerikanische. Comcast hatte 48,65 Milliarden Dollar in Aktien für die Mediaone Group angeboten und damit den Kürzeren gezogen. Mediaone Group hat das Übernahmeangebot des größten US-Telefonkonzerns AT&T akzeptiert.

Die Pharmabranche ist seit längerem im Übernahmefieber. Unter anderem heizen hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die Fusionswelle an. Erst im Juli hatte der weltgrößte Generika-Anbieter Teva für 40,5 Milliarden Dollar die Nachahmer-Medikamente von Allergan gekauft. Pfizer hat jüngst 15 Milliarden Dollar für den US-Rivalen Hospira ausgegeben. Der Konzern hat seit einiger Zeit keinen wirklichen Kassenschlager mehr hervorgebracht. Zusätzlich macht ihm der scharfe Wettbewerb durch günstigere Nachahmer-Produkte zu schaffen. Allergan ist führend auf dem Gebiet der Augenheilkunden und bei Schönheitsprodukten wie Botox. Durch einen Kauf würde Pfizer Johnson & Johnson als Weltmarktführer in diesem Bereich ablösen.

  • rtr
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