Pflaster-Konzern
Evonik soll Verkauf von LTS Lohmann vorantreiben

Der Verkaufsprozess für LTS Lohmann war zuletzt ins Stocken geraten. Nun soll Evonik doch wieder in das Rennen um den Pflaster-Hersteller einsteigen. Der Chemieriese stellt allerdings Bedingungen.
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Düsseldorf/FrankfurtDer Chemieriese Evonik soll Finanzkreisen zufolge doch wieder ins Rennen um den Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann einsteigen. Die Eigentümer des Unternehmens aus Andernach, zu denen SAP -Großaktionär Dietmar Hopp gehört, wollen damit Bewegung in die festgefahrenen Verkaufsgespräche bringen, wie mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Der Essener Konzern sei angesprochen worden, ob er nicht doch noch ein Gebot für LTS Lohmann vorlegen wolle. Evonik wolle sich darauf aber nur dann einlassen, wenn die Eigner ihre Preisvorstellungen überdächten und ihre internen Zwistigkeiten überwänden. Eine Entscheidung gebe es noch nicht.

Der Verkaufsprozess für LTS Lohmann war zuletzt ins Stocken geraten. Zwei Finanzinvestoren hatten Interesse signalisiert: Der französische Investor Wendel und Nordic Capital aus Schweden hatten Gebote eingereicht, die LTS Lohmann mit rund 1,2 Milliarden Euro bewerten. Doch die Verkäufer hatten rund 1,4 Milliarden Euro für LTS Lohmann aufgerufen. Das wollte Evonik nicht zahlen – und verabschiedete sich schon vor Monaten aus dem Bieterrennen. Dies könnte sich nun wieder ändern. Evonik müsste freilich noch die Bücher bei LTS Lohmann genau prüfen, bevor es zu einer Entscheidung komme, hieß es in den Kreisen. Analysten zufolge will der Börsenneuling Evonik sein Wachstum auch mit Zukäufen ankurbeln.

Größter Einzelaktionär von LTS Lohmann ist der Schweizer Pharmariese Novartis mit rund 43 Prozent. Der Baseler Konzern ist zugleich einer der wichtigsten Kunden von LTS. Er sei bereit, beim Preis Konzessionen zu machen, hieß es in den Kreisen. Hopp ist mit rund 30 Prozent, die Stuttgarter Beteiligungsfirma BWK mit etwa 24 Prozent beteiligt. Der SAP-Mitgründer poche auf einen hohen Preis. Evonik wollte zu den Informationen ebensowenig Stellung nehmen wie die Eigentümer. Bei den Investoren kamen die Neuigkeiten gut an: Evonik-Aktien notierten im Plus.

LTS Lohmann erwirtschaftet mit rund 1100 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 286 Millionen Euro. Das Unternehmen sieht sich als einer der Erfinder des Nikotinpflasters, mittlerweile werden aber auch Wirkstoffe gegen Alzheimer, Parkinson oder das Restless-Legs-Syndrom über die Haut verabreicht. LTS hat für mehr als zehn Wirkstoffe Medikamentenpflaster im Angebot. Das Unternehmen stellt zudem im Auftrag anderer Pharmafirmen Arzneien in Form hauchdünner Plättchen her, die den Patienten auf der Zunge zergehen. LTS Lohmann hält nach eigenen Angaben mehr als 5000 Patente.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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