Pflegeserien für dunkle Haut
Kosmetikkonzerne entdecken die Afrikanerin

Die afrikanische Frau lässt an ihre Haut zumeist nur Wasser, Kernseife und Vaseline heran. Mit speziellen Pflegeserien für dunkle Haut versuchen nun nicht zuletzt internationale Konzerne, neue Kunden zu gewinnen. Doch das Misstrauen in moderne Kosmetika ist groß, gibt es doch Horrorgeschichten aus Zeiten der Apartheit in Südafrika.

bfai JOHANNESBURG. Die südafrikanische Kosmetikindustrie meldet Anfang 2006 ein Wachstum im annähernd zweistelligen Bereich, das sich speziell auf Pflegeserien für die schwarze Bevölkerung stützt. Diese so genannten „Ethnischen Serien“ erobern zunehmend auch andere afrikanische Staaten. Ausländische Branchenunternehmen werden noch im Laufe des Jahres 2006 Klarheit über die BEE-Anforderungen (Black-Economic-Empowerment) seitens der Regierung erhalten; Schwierigkeiten bestehen vor allem bei der Übertragung von Eigentum.

Seit dem Ende der Apartheid haben immer mehr Unternehmen den schwarzen Mittelklasse-Konsumenten entdeckt und auf ihn spezielle Produkte zugeschnitten. Die schwarze Bevölkerung macht etwa 85 Prozent der südafrikanischen Gesamtbevölkerung aus und verfügt zunehmend über Kaufkraft. Wie fast alle Konsumgüterindustrien profitiert auch die lokale Kosmetikbranche von einer immer größer werdenden und äußerst kauffreudigen schwarzen Mittelschicht. Da das Potenzial als noch längst nicht ausgeschöpft gilt, rechnet die Branche auch in den kommenden Jahren mit deutlichem Wachstum.

Gestiegen ist in den letzten Jahren vor allem die Nachfrage nach Haarmitteln für weibliches Kraushaar, das nach Kräften geglättet, „relaxed“, gebleicht, gefärbt und gestylt, nur selten aber länger und naturbelassen getragen wird. Unternehmen investieren zunehmend in die Entwicklung schwarzer Serien, die nach Angaben von Marktkennern auch nicht mit denen für Afroamerikaner vergleichbar sind. Mit Softsheen Carson verfügt L'Oréal über die führende ethnische Haarserie auf dem südafrikanischen Markt.

Auch für weniger kaufkräftige Schwarze werden immer mehr Produkte auf den Markt gebracht. Vor allem lokal produzierte preiswerte Kosmetika sollen für diese Bevölkerungsgruppe attraktiv gemacht werden. Bis die potenziellen Kundinnen, die ihre Haut bislang ausschließlich mit Wasser, Kernseife und Vaseline verwöhnten, aber die ganze Palette der modernen Kosmetikindustrie nutzen werden, dürften noch Jahre vergehen. Zudem ist das Misstrauen gegenüber neuen Produkten groß. Noch zu Apartheidzeiten brachten Unternehmen ein Bleichmittel für schwarze Haut auf den Markt, das zu großen gesundheitlichen Problemen führte und schließlich vom Markt genommen werden musste.

Seite 1:

Kosmetikkonzerne entdecken die Afrikanerin

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%