Pflichtangebot Leighton
Zweifel an Hochtiefs Abwehrversuch

Hochtief versucht wirklich alles, um die Übernahme durch ACS zu verhindern: Der deutsche Bauriese will seinem Angreifer mit der Forderung nach einem Pflichtangebot für die Hochtief-Tochter Leighton Steine in den Weg legen. Fachleute zweifeln aber an dem Erfolg der Maßnahme.
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HB DÜSSELDORF/SYDNEY. Die Rechtsgelehrten sind sich uneins darüber, ob der deutsche Bauriese seinem spanischen Angreifer mit der Forderung nach einem Pflichtangebot für die Hochtief-Tochter Leighton erfolgreich Steine in den Weg legen kann.

Der Plan des Essener Konzerns werde nicht aufgehen, sagten zwei Übernahme-Anwälte in Australien. Der Übernahmeexperte Christian Zschocke, Partner bei der Kanzlei Morgan Lewis in Frankfurt, sieht dies jedoch anders. Es sei "internationaler Normalfall", dass bei einem Kontrollwechsel die übernehmende Partei auch für Tochtergesellschaften ein Übernahmeangebot vorlegen müsse, sagte er.

Genau das bezweckt Hochtief: Der Konzern will ACS auch zu einer Offerte für seine Tochter Leighton zwingen. Das würde die von den Essenern als feindlich erachtete Übernahme Hochtiefs durch die Spanier entscheidend verteuern. ACS hat ein Angebot für Leighton bisher abgelehnt.

Nach australischem Recht bestehe keine Verpflichtung zu eine solchen Offerte, bekräftigte eine Sprecherin. Leighton wird an der Börse in Sydney mit zehn Mrd. australischen Dollar (rund sieben Mrd. Euro) bewertet.

54,5 Prozent an dem Unternehmen liegen bei Hochtief. Der Baukonzern stemmt sich gegen die Übernahme durch ACS und hat sich dazu die Hilfe mehrerer Banken gesichert. Die Spanier halten bereits knapp 30 Prozent an Hochtief und wollen sich die Mehrheit sichern. Mit einem Pflichtangebot auch für Leighton würde die Übernahme für ACS deutlich schwerer und teurer. Der spanische Konzern arbeitet derzeit an der Refinanzierung von mehr als der Hälfte eines 4,48-Milliarden-Euro-Kredits, mit dessen Hilfe er sich beim Versorger Iberdrola eingekauft hatte.

Die australische Wertpapierbehörde wird nun über den Hochtief-Antrag entscheiden müssen. Damit könnte sich der Essener Konzern auch Zeit kaufen, denn alle Beteiligten müssen von der Behörde angehört werden. Finanzkreisen zufolge könnte dies Wochen dauern. Die Behörde selbst wollte sich nicht äußern.

Sie veröffentlicht generell Entscheidungen nur dann, wenn sie Anträge - wie etwa den von Hochtief - annimmt. Ablehnungen macht sie nicht öffentlich.

ACS bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Aktien. Einen Aufschlag für die Anteilseigner gibt es damit nicht. Zum Zeitpunkt der Ankündigung bewertete ACS die Hochtief-Aktie mit rund 56 Euro, am Mittag notierten die Anteilsscheine bei 63,87 Euro. "Wo für Hochtief und vor allem seine Aktionäre die Vorteile liegen sollen, erkennen wir nicht, und dies hat auch ACS noch nicht dargelegt", hatte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter gesagt.

Kommentare zu " Pflichtangebot Leighton: Zweifel an Hochtiefs Abwehrversuch"

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  • Hochtief ist als größtes bauunternehmen Deutschlands mit stark internationaler Ausrichtung ein natürlicher Partner für den deutschen Anlagenbau. Unternehmen wie z.b. Siemens müßte daran gelegen sein diesen Partner langfristig zu erhalten. Eine beteiligung von 25% bzw. 1 Milliarde EUR würde leicht zustemmen sein und würde die Geschäfte langfristig ansichern. Zumal es beim jetzigen Aktienpreis ein gutes Geschäft ist, da ja allein die Tochter Leighton einen Großteil des Unternehmenswertes ausmacht. Es ist tatsächlich unverständlich, dass sich hier kein anderer investor findet.

    Die deutsche Regierung mit ihrer liberalen Prägung verstand schon während der Wiedervereinigung nicht, dass für den Mittelstand große Unternehmen als Auftraggeber wichtig sind. Diese darf man nicht einfach von ausländischen Unternehemen aufkaufen und ausschlachten lassen. So sägen wir auf dem noch komfortablen Ast, auf dem wir sitzen. Frankreich hat das verstanden und bedient isch in Deutschland gerne (EADS, Höchst).

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