Pharma-Branche: Der Zickzack-Kurs von Wyeth: Oft verlobt und nie verheiratet

Pharma-Branche
Der Zickzack-Kurs von Wyeth: Oft verlobt und nie verheiratet

Während des Fusionsfiebers zur Jahrtausendwende versuchte Wyeth alias American Home Products dreimal erfolglos, sich mit einem Konkurrenten zu einer schlagkräftigeren Einheit zu verbinden. Diesmal ist Wyeth der deutlich kleinere Fusionspartner.

NEW YORK. Der Firmenname Wyeth hielt sich gerade mal sechs Jahre, und abseits der Branche hat er sich nie richtig durchgesetzt. Hinter dem Pharmahersteller aus dem US-Bundesstaat New Jersey verbirgt sich der frühere Konzern American Home Products, der 1984 mit der Einführung von Advil ein Stück Pharmageschichte schrieb. Das Medikament wurde zum ersten Schmerzmittel in Amerika, das ohne ärztliche Verschreibung in Drogerien angeboten werden durfte. Der breiten Öffentlichkeit ist Wyeth denn auch in erster Linie durch seine nicht-rezeptpflichtigen Medikamente bekannt. Dazu gehören neben Advil (Ibuprofen) auch die Erkältungsmedikamente der Marke Robitussin.

Für einen wesentlichen Teil des Konzernumsatzes sorgen indes rezeptpflichtige Bestseller wie Premarin und Effexor. Das Hormonpräparat Premarin war das am häufigsten verschriebene US-Medikament 1993 und erzielt bis heute einen Jahresumsatz von mehr als drei Mrd. Dollar. Auch das Antidepressivum Effexor schafft Jahr für Jahr Umsätze in dieser Größenordnung. Allerdings teilt Wyeth die Probleme von Pfizer: Wichtigen Medikamenten droht der Auslauf des Patentschutzes, und die Forschungspipeline lässt nicht erwarten, dass neue Blockbuster die alten reibungslos ablösen.

Im Jahr 2002 änderte American Home Products seinen Firmennamen in Wyeth. Zuvor hatte der Konzern aus Madison, New Jersey, zahlreiche Sparten abseits des Kerngeschäfts Pharma abgestoßen. Der Name geht auf den Apotheker John Wyeth zurück, der 1860 gemeinsam mit seinem Bruder Frank eine erste Apotheke in Philadelphia eröffnete. Auf Anregung von Ärzten begann Wyeth damit, häufig verordnete Medikamente auf Vorrat herzustellen.

Das Konzept hatte Erfolg und wurde zum Grundstein des heute weltweit agierenden Konzerns. Der Konzern hat in Münster noch einen deutschen Standort für Marketing und Vertrieb, allerdings ist der überwiegende Teil der europäischen Produktionskapazitäten in Irland angesiedelt.

Während des Fusionsfiebers zur Jahrtausendwende versuchte Wyeth alias American Home Products dreimal erfolglos, sich mit einem Konkurrenten zu einer schlagkräftigeren Einheit zu verbinden. So scheiterte unter anderem eine Megafusion mit dem ausgewählten Ehepartner Warner-Lambert, der schließlich einem feindlichen Übernahmeangebot von Pfizer nachgab. Mit einer Strafzahlung von 1,8 Mrd. Dollar wurde American Home Products die Niederlage immerhin etwas versüßt. Auch zwei weitere Kandidaten sprangen kurz vor dem Traualtar noch ab: Monsanto landete Ende 1999 nicht bei American Home Products, sondern in den Armen des schwedisch-amerikanischen Pharmakonzerns Pharmacia & Upjohn.

Diesmal ist Wyeth der deutlich kleinere Fusionspartner, und zumindest vom Topmanagement der Firma dürfte Branchenexperten zufolge nicht viel übrig bleiben. Es werde erwartet, dass Wyeth-Chef Bernard Poussot und sein Vorstandsteam die Firma nach Ende der Übernahme verlassen, berichten US-Medien unter Berufung auf informierte Kreise. Pfizer-Chef Jeff Kindler wird dann einen unangefochtenen Pharma-Riesen führen, der fast ein Drittel mehr Umsatz erzielt als der Branchenzweite Glaxo-Smithkline.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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