Pharma-Fusionsfieber Fresenius blättert Milliarden für Akorn hin

Erst im September hat Fresenius mit Quironsalud die größte Übernahme seiner Geschichte in Angriff genommen. Nun macht der Gesundheitskonzern für Akorn erneut Milliarden locker – und kauft gleich noch eine weitere Firma.
Update: 25.04.2017 - 12:51 Uhr 1 Kommentar
Fresenius hat ein Auge auf Nachahmermedikamente geworfen: Der Gesundheitskonzern kündigte eine weitere Milliardenübernahme an. Quelle: Reuters
Fresenius

Fresenius hat ein Auge auf Nachahmermedikamente geworfen: Der Gesundheitskonzern kündigte eine weitere Milliardenübernahme an.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer neue Fresenius-Chef Stephan Sturm gibt beim hessischen Gesundheitskonzern ein hohes Tempo vor. Neun Monate nach seinem Amtsantritt tütete der ehemalige Investmentbanker in der Nacht auf Dienstag eine zweite Milliarden-Übernahme ein. Die Hessen schlucken den US-Konkurrenten Akorn für 4,75 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) und stärken damit ihr Geschäft mit Nachahmer-Medikamenten in den USA. Es ist die zweitgrößte Akquisition in der Fresenius-Geschichte nach dem kürzlich besiegelten Kauf des spanischen Klinikbetreibers Quironsalud für 5,8 Milliarden Euro.

Zudem kauft die Fresenius-Generika-Sparte Kabi dem Darmstädter Pharmakonzern Merck dessen Geschäft mit Biosimilars ab, also mit Nachahmer-Medikamenten von Biotech-Arzneien. „Mit diesen Akquisitionen stellen wir bei Fresenius Kabi die Weichen für ein noch breiter angelegtes und dauerhaft kräftiges Wachstum über das laufende Jahrzehnt hinaus“, sagte Sturm. Bei Analysten kamen die Zukäufe gut an. „Der Akorn-Deal macht für Fresenius finanziell und strategisch Sinn, weil der Konzern damit sein bestehendes Geschäft ausbaut“, erklärten die Analysten von Berenberg. Noch spannender sei allerdings die Übernahme der Biosimilars von Merck, weil Fresenius damit in einen völlig neuen Markt einsteige.

Der Konzern hat viele Jahre einen Bogen um dieses Geschäft gemacht, sieht nun jedoch den richtigen Zeitpunkt für einen Markteintritt gekommen. „Wir haben immer gesagt, das regulatorische Umfeld muss sich klären, bevor wir in Biosimilars investieren“, sagte Sturm der Nachrichtenagentur Reuters. „Da hat sich in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Menge getan.“

Diese Deals schrieben Geschichte
Bayer kauft Monsanto
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Der Chemiekonzern Bayer übernimmt im September 2016 nach monatelangen Verhandlungen den US-Saatguthersteller Monsanto. Dabei wurde das US-Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Es wäre die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Doch es gab in der Wirtschaftsgeschichte noch größere Übernahmen.

Platz 10: Royal Dutch kauft Shell Transport & Trading
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Die Unternehmen Shell Transport & Trading und Royal Dutch Petroleum waren schon seit fast 100 Jahren miteinander verflochten. Im Juli 2005 wurden aber beide Teile endgültig miteinander zur Royal Dutch Shell vereinigt. Wert des Deals damals: 80,10 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Exxon und Mobil waren im Jahr 1882 Teile eines einzigen Unternehmens, der Standard Oil Company von John D. Rockefeller. 1911 ordnete der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an, die Unternehmen Exxon und Mobil entstanden.

Platz 9: Exxon kauft Mobil
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Erst am 30. November 1999 konnten die beiden bis dahin immens gewachsenen Konzerne dank geänderter gesetzlicher Bestimmungen wieder vereinigt werden. Exxon kaufte Mobil damals für die Summe von 80,3 Milliarden Dollar.

Platz 8: AT&T kauft Bell South
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Die Geschichte von AT&T und Bell South steht für das Hickhack auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt. Bell South war eine von sieben sogenannten Regional Bell Operating Companies, die aus einem Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen AT&T im Jahre 1984 hervorgegangen waren. AT&T wurde in diesem Verfahren gezwungen, seine Beteiligungen an sämtlichen regionalen Telefongesellschaften aufzugeben. Ende des Jahres 2006 wurde die Gesellschaft wiederum erneut von AT&T erworben und wieder mit dieser verschmolzen. Kaufpreis: 83,1 Milliarden Dollar.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Pfizer war schon einmal für eine große Übernahme gut: In den späten 90ern kooperierte der Pharmahersteller Warner-Lambert mit Pfizer, um sein Medikament Lipitor auf den Markt zu bringen. Das Mittel wurde zur Regulierung des Cholesterinspiegels eingesetzt.

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert
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Die Einführung im Januar 1997 des Mittels war ein großer Erfolg, allein in den ersten zwölf Monaten wurde in den USA eine Milliarde Dollar eingenommen. Pfizer fand daraufhin wohl so viel Gefallen an Warner-Lambert, dass die Firma im Jahr 2000 für die Summe von 87,3 Milliarden Dollar übernommen wurde.

Fresenius zahlt Merck für seine Geschäftssparte anfänglich 170 Millionen Euro. Abhängig vom Erreichen von Entwicklungszielen können in den kommenden Jahren weitere 500 Millionen Euro fließen. „Biosimilars sind ein schnell wachsendes Segment des Pharma-Markts“, erklärte Fresenius-Manager Mats Henriksson. „In den nächsten Jahren werden einige der größten Marken-Biopharmazeutika ihren Patentschutz verlieren.“

Merck will sich bei Investitionen auf andere Geschäftsbereiche konzentrieren und hatte sein Biosimilars-Geschäft deshalb zum Verkauf gestellt. Beide Unternehmen wollen die bestehenden Produkte zusammen weiterentwickeln. Wenn es Nachahmer-Medikamente am Ende auf den Markt schaffen, winkt Merck eine Umsatzbeteiligung im einstelligen Prozentbereich.

Bis Fresenius in dem Bereich schwarze Zahlen schreibt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Erst ab 2023 rechnet der Konzern mit einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag und Umsätzen im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bis dahin sollen in die Entwicklung der Biotech-Nachahmer-Medikamente bis zu 1,4 Milliarden Euro fließen - Kaufpreis und Meilensteinzahlungen bereits eingerechnet.

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