Pharma
Grünenthal setzt auf Schmerztherapie

Der deutsche Pharmakonzern Grünenthal will seine Position als Spezialist für Schmerzmittel stärken. Überraschend daran: Bisher hatte sich das Management stets verschlossen gegeben, was seine Strategie betraf. Beginnt nach den Skandalen der Vergangenheit nun ein Zeitalter der Transparenz?

FRANKFURT. Mit neu entwickelten Schmerzmitteln und einer verstärkten Auslandspräsenz will das Aachener Familienunternehmen Grünenthal seine Position im Pharmageschäft absichern und ausbauen. Geschäftsführer Harald Stock, der Anfang des Jahres als erster familienfremder Manager die Führung des Arzneimittelherstellers übernommen hat, sieht Grünenthal dabei klar in einer Spezialistenrolle als einer wenigen Innovatoren im Bereich der Schmerztherapie.

Für das bislang eher verschlossene Familienunternehmen sind öffentliche Äußerungen zu Strategie und Ausrichtung ein Novum. Dabei gehört Grünenthal neben Bayer, Boehringer, Merck und Merz zu den nur noch fünf verbliebenen deutschen Pharmafirmen, die sich größere Forschungsaktivitäten leisten können. Gemessen am Umsatz von zuletzt 864 Mio. Euro ist das Unternehmen der sechstgrößte Pharmahersteller mit Sitz in Deutschland.

Bekanntheit über die Pharmawelt hinaus erlangte Grünenthal bisher vor allem durch den Contergan-Skandal in den frühen 60er-Jahren, den bislang schlimmsten Unfall in der Geschichte der deutschen Arzneimittelindustrie. Das von Grünenthal hergestellte Schmerzmittel Contergan (mit dem Wirkstoff Thalidomid) rief damals bei weltweit etwa 5 000 Neugeborenen schwere Schädigungen an den Gliedmaßen hervor.

Der unrühmliche Fall belastete das Familienunternehmen bis in die jüngere Vergangenheit. Nachdem ein Dokumentarfilm eine neue Debatte über die Verantwortung des Pharmaherstellers anstieß, entschloss sich die Gründerfamilie im vergangenen Jahr, der Contergan-Stiftung weitere 50 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen. Wenig später verkündete Sebastian Wirtz, ein Enkel des Firmengründers, seinen Rückzug aus der Unternehmensleitung und machte damit den Weg frei für den ersten externen Geschäftsführer.

„Wir stellen uns der Verantwortung im Contergan-Fall und wollen uns ihr in Zukunft noch intensiver stellen“, sagte Stock dazu gestern. Das Unternehmen sei daher bereit, über die Zahlung an die Stiftung hinaus die Betroffenen im Rahmen spezieller Projekte zu unterstützen.

Ungeachtet der Contergan-Problematik konnte sich Grünenthal schon in den vergangenen Jahrzehnte als Spezialist für Schmerzmedikamente positionieren, insbesondere im Bereich der opiatähnlichen Substanzen. Etwa 70 Prozent ihrer Erlöse erzielt die Gruppe in diesem Bereich, 30 Prozent entfallen auf Verhütungsmittel, Antibiotika und Medikamente gegen zystische Fibrose – Segmente, die Stock nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Er sei offen für einen Rückzug aus diesen Randbereichen oder auch einen Verkauf.

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