Pharma-Konzern Wie Aktionäre vom Machtkampf bei Stada profitieren

Die neuen Stada-Eigentümer Bain Capital und Cinven wollen die Stada-Aktionäre über einen Beherrschungsvertrag abstimmen lassen. Entscheidend ist das Votum des Hedgefonds Elliott.
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Die Aktionäre des hessischen Arzneimittelherstellers sollen an diesem Freitag über einen Beherrschungsvertrag mit den Mehrheitseigentümern Bain Capital und Cinven abstimmen. Quelle: dpa
Stada vor der Hauptversammlung

Die Aktionäre des hessischen Arzneimittelherstellers sollen an diesem Freitag über einen Beherrschungsvertrag mit den Mehrheitseigentümern Bain Capital und Cinven abstimmen.

(Foto: dpa)

FrankfurtAm morgigen Freitag sollen die Aktionäre des hessischen Arzneimittelherstellers Stada darüber abstimmen, ob die neuen Eigentümer Bain Capital und Cinven künftig Zugriff auf die Kasse des MDax-Konzerns haben werden. Sie sollen über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abstimmen.

Die dafür nötige 75-Prozent-Mehrheit der Hauptversammlung könnten Bain Capital und Cinven – abhängig von der Präsenz der Aktionäre – verfehlen. Denn sie halten nur rund 65 Prozent des Aktienkapitals. Deswegen richten sich alle Augen auf den Hedgefonds Elliott, der mehr als 15 Prozent an Stada hält. Sein Votum für oder gegen den Beherrschungsvertrag ist entscheidend. Elliott ist im Zuge des Übernahmeprozesses vergangenes Jahr bei Stada eingestiegen und hat den Preis der Aktie noch einmal kräftig nach oben getrieben.

Mitte August vergangenen Jahres war es den Finanzinvestoren Bain und Cinven in einem zweiten Anlauf geglückt, sich die Mehrheit beim zwei Milliarden Euro Umsatz schweren Pharmaunternehmen zu sichern. Dafür hatten sie die Mindestannahmeschwelle auf 63 Prozent abgesenkt und den Preise je Aktie für die Aktionäre auf 66,25 Euro nachgebessert.

Kurz darauf dann gab der Hedgefonds Elliott in einer offiziellen Mitteilung bekannt, dass er einen Beherrschungsvertrag bei Stada nur für eine Mindestabfindung von 74,40 Euro je Aktie unterstützen würde. Wenige Tage später erklärten Bain & Cinven ihre Bereitschaft, die geforderten 74,40 Euro je Aktie zu zahlen.

Inzwischen allerdings hat sich der Aktienkurs von Stada weit von dem gebotenen Preis entfernt und notiert aktuell um die 88 Euro. Bei diesem attraktiven Preis gab und gibt es für die Stada-Aktionäre eigentlich keinen Grund, auf die gebotene Abfindung einzugehen. Zumal der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag für außenstehenden Aktionäre eine Abfindung in Höhe von 3,53 Euro netto je Aktie vorsieht.

Das sieht auch Rechtsanwalt Peter Barth so, der für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) spricht: „Stada-Aktionäre sind doch in einer tollen Position: Sie können aktuell ihre Aktien entweder mit einem satten Gewinn für um die 88 Euro am Markt verkaufen oder kassieren für die nächsten Jahre eine hohe Ausgleichszahlung, die pro Jahr etwa dem Fünffachen dessen entspricht, was die Aktionäre im letzten Jahr als Dividende erhalten haben“, sagt er.

Die Aktionäre wüssten zwar nicht, wie lange die Ausgleichzahlung letztendlich laufen werde. Sie könnten aber davon ausgehen, dass die Finanzinvestoren eines Tages Stada nicht für weniger Geld verkaufen werden, als sie bezahlt haben. „Die Aktionäre werden also vermutlich auch an einem höheren Verkaufserlös teilhaben“, so Barth.

Das sind die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 10: Gilead Sciences
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Der US-Biotechkonzern beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Kalifornien. Bekannt wurde es vor allem durch seine „1000-Dollar-Pille“ Sovaldi, ein wirksames, aber sehr teures Mittel gegen Hepatitis C. Umsatz 2017: 28,5 Milliarden Dollar.

(Quelle: Unternehmensangaben; Financial Times; Thomson Reuters)

Platz 8: Glaxo-Smithkline
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Die Briten sind stark im Impfgeschäft und haben Mittel gegen Depressionen und Atemwegserkrankungen im Portfolio. Der Konzern – dessen Sitz in London ist – kam 2017 auf einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Dollar.

Platz 8: Merck & Co.
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Ebenfalls auf dem achten Platz finden sich die Amerikaner ein, die stark im Impfgeschäft und in der Frauengesundheit sind. Zusätzlich vermarkten sie auch Medikamente für Tiere. Pharmaumsatz 2017: 40 Milliarden Dollar.

Platz 7: Sinopharm
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Auch das chinesische Unternehmen Sinopharm (Beispielbild) hat es in die Top10 geschafft. Im Jahr 2017 konnte es insgesamt etwa 41,3 Milliarden Dollar umsetzen.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 5: Sanofi
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Die Franzosen haben eine starke Basis in Deutschland und kommen auf einen Pharmaumsatz von 43,3 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Medikamente sind das Diabetesmittel Lantus und das Herz-Kreislaufmittel Plavix. Bekannter dürfte das Schlafmittel Stilnox sein.

Platz 4: Novartis
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Die Schweizer sind seit dem Jahr 2014 von dem ersten Platz auf den vierten Platz abgerutscht. Rund 49,2 Milliarden Dollar konnten sie im Jahr 2017 umsetzen. Novartis ist stark bei Krebsmitteln. Bekannte Marken sind das Schmerzmittel Voltaren und das Leukämiemittel Glivec.

Unabhängig von der Frage des Aktienverkaufs ist die Abstimmung über den Beherrschungsvertrag. Wie Elliott auf der Hauptversammlung am Freitag votieren wird, dazu gibt der Hedgefonds keinen Kommentar ab. Im Unternehmen Stada und bei vielen Marktbeobachtern wird aber davon ausgegangen, dass Elliott für den Beherrschungsvertrag stimmen wird, wie er es im vergangenen August offiziell bekannt gegeben hat. Denn Bain Capital und Cinven haben die Bedingung für die Zustimmung, die Erhöhung der Abfindung auf 74,40 Euro je Aktie, erfüllt.

„Ich gehe davon aus, dass Elliott jetzt seine Zusage erfüllen wird“, sagt auch Peter Barth von der DSW. Elliott könne es sich nicht erlauben, wortbrüchig zu werden. „Das wäre ein riesiger Vertrauensverlust, und kein Investor würde sich zukünftig noch auf Deals mit Elliott einlassen“, so Barth weiter. Elliott vergebe sich nach auch nichts mit der Zustimmung zum Beherrschungsvertrag. „Paul Singer wird meiner Ansicht nach versuchen, später bei einem Squeeze-out für sich einen noch höheren Preis herauszuholen“, sagt der Rechtsanwalt.

Bei Stada stellt man sich unterdessen darauf ein, dass es im Nachgang der Hauptversammlung noch Anträge auf eine Sonderprüfung geben wird, in deren Rahmen auch die Bewertung von Stada noch einmal untersucht werden wird. Das würde den Prozess der weiteren Machtübernahme bei Stada durch Bain Capital und Cinven verzögern.

Operativ haben die Mehrheitsaktionäre die Weichen bei dem Pharmaunternehmen aber gestellt, und auch ein neuer Firmenchef wurde gefunden, wie Stada am Donnerstagmorgen bekanntgab. Ab September soll der 53-jährige Sandoz-Manager Peter Goldschmidt den Vorstandsvorsitz beim zwei Milliarden Euro Umsatz schweren Konzern übernehmen.

Der Ende September von Bain Capital und Cinven eingesetzte CEO Claudio Albrecht, 58, der das Unternehmen nach verschiedenen Chefwechseln und zahlreichen Querelen in der Führungsspitze wieder auf Vordermann bringen soll, wird dann voraussichtlich in den Aufsichtsrat wechseln.

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