Pharma
Medco-Chef warnt vor Kostenexplosion

Der führende US-Pharmakonzern Medco Health Solutions warnt vor dramatisch steigenden Kosten in den Gesundheitssystemen großer Industrienationen. "Wir haben ein hyperinflationäres Umfeld geschaffen," sagte Vorstandschef David Snow in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe).
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HB DÜSSELDORF. Das schlechte Management bei der Behandlung chronisch Kranker sorge dafür, dass allein in den USA Jahr für Jahr rund 350 Mrd. Dollar verschwendet würden. Snow betonte, die Steigerungsraten in Europa und "insbesondere in Deutschland" lägen inzwischen höher als in Amerika. "Viele Länder haben unterschiedliche Gesundheitssysteme entwickelt, aber alle haben ihre Fehler, und die Kosten dieser Systeme steigen mit großer Geschwindigkeit in unerträgliche Höhen."

Medco hat im Sommer 2010 ein Joint-Venture mit dem Stuttgarter Pharmahändler Celesio gestartet, um mit seinen IT-basierten Gesundheitslösungen nach Europa zu expandieren. Dabei sollen die Effizienz von Arzneimitteltherapien erhöht und die Versorgung chronisch kranker Patienten verbessert werden. Einer Übernahme von Celesio, über die in der Branche regelmäßig spekuliert wird, erteilte der Medco-Chef eine klare Absage: "Ich bin nicht interessiert, in die Massendistribution einzusteigen. Das ist im Grunde nur Logistikgeschäft. Unser Fokus liegt darauf, Kunden auf der Patienten-Ebene zu bedienen", sagte Snow.

Der 55-jährige Manager gilt als Architekt eines der erfolgreichsten Spin-offs in der US-Pharmageschichte. 2003 vom Pharmakonzern Merck Co. abgespalten, baute Snow den reinen Zwischenhändler zu einem Konzern-Riesen aus, der in immer neue Bereiche des Gesundheitswesens expandiert. Inzwischen bezieht etwa jeder fünfte US-Amerikaner seine Arznei über den Großeinkäufer aus New Jersey. Der Konzernumsatz von Medco dürfte 2010 auf 65 Mrd. Dollar steigen und liegt damit höher als der von Weltmarken wie Microsoft oder McDonalds.

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