Pharma
Merck gibt Gebot für Schering ab

Die deutsche Pharmabranche steht vor einer Neuordnung: Der Darmstädter Merck-Konzern will den Berliner Wettbewerber Schering übernehmen und hat ein Bar-Angebot für die Aktionäre angekündigt. Nun wird gerätselt, wie die Merck die Übernahme stemmen will.

HB BERLIN. Schering teilte am Sonntag in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, man sei am Wochenende von Merck-Repräsentanten unterrichtet worden, dass jedem Schering-Aktionär pro Anteilsschein 77 Euro in bar geboten würden. Damit würde der Konzern mit rund 15 Milliarden Euro bewertet, was einem Aufschlag von etwa 15 Prozent zum Börsenwert entspricht. Die Schering-Aktie hatte am Freitag bei 66,86 Euro den Handel beendet.

In Finanzkreisen hieß es, Merck halte sein Angebot für „großzügig“. Es entspreche einem Aufschlag von 35 Prozent auf den Durchschnitts-Kurs von Schering der vergangenen drei Monate. Einziger Großaktionär der Schering AG ist die Münchner Allianz mit einem Anteil von zuletzt rund zwölf Prozent, der Rest befindet sich in Streubesitz.

Schering-Chef Hubertus Erlen versicherte, es habe keine Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben. Erlen sagte dem Handelsblatt: „Das Angebot ist nicht im Interesse unserer Aktionäre und reflektiert nicht den wahren Wert von Schering“. Im Gegensatz zu Schering behauptet die Zeitschrift „Manager-Magazin“, die Führungsspitze von Merck sei mit dem Schering-Vorstand und mit Schering-Aufsichtsratsschef Giuseppe Vita im Gespräch. Merck werde bei der Transaktion von der Deutschen Bank und Goldman Sachs beraten, Schering von Morgan Stanley.

Wie Merck die Übernahme finanzieren will, ist noch unklar. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wollen die Merck-Familieneigentümer keine Anteile ihres Unternehmens verkaufen. „Sie dürften sich aber voraussichtlich mit etwa einer Milliarde Euro Eigenkapital bei der Transaktion engagieren“, sagte ein mit dem Angebot für Schering Vertrauter Reuters. Die Finanzierung werde neben der Aufnahme von Fremdmitteln zumindest auf mittlere Sicht wohl auch eine Kapitalerhöhung umfassen. Das „Manager-Magazin“ hatte dagegen berichtet, die 130 Familiengesellschafter des Merck-Konzerns wollten ein Paket von gut 20 Prozent ihrer Anteile über die Börse verkaufen, um die Schering-Übernahme zu finanzieren.

Um Schering hatte es in der Vergangenheit immer wieder Übernahmegerüchte gegeben. Das Unternehmen hatte argumentiert, gegen eine Übernahmen spreche die hohe Spezialisierung des Konzern etwa auf Verhütungsmittel. So gebe es kaum Synergieeffekte bei einer Übernahme. Auf der anderen Seite stünden Kartellhürden zwischen einem Kauf durch ein Unternehmen, das sich etwa ebenfalls auf Verhütungsmittel konzentrieren.

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