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Pharma: Pfizer-Chef tritt zurück

Überraschend ist der Chef des US-Pharmagiganten Pfizer, Jeffrey Kindler, zurückgetreten. Der Nachfolger kommt aus dem eigenen Konzern.

Pfizer-Chef Kindler will seine Batterien aufladen. Quelle: ap
Pfizer-Chef Kindler will seine Batterien aufladen. Quelle: ap

HB NEW YORK. Der Chef des weltgrößten Arzneimittelherstellers Pfizer hat überraschend das Handtuch geschmissen. Nach knapp fünf Jahren an der Spitze des US-Konzerns kündigte der 55-jährige Jeffrey Kindler eine private Auszeit an. Der Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen: Der 57-jährige Ian Read, der bisher das weltweite Pharmageschäft von Pfizer führte, steht als neuer Chef für die rund 115 000 Mitarbeiter bereits fest. Analysten begrüßten am Montag den Wechsel und hofften, Read werde frischen Wind bringen.

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In seiner neuen Rolle muss Read eine Lösung für Pfizers dringendstes Problem finden: Der Patentschutz in den USA für das bislang weltweit umsatzstärkste Medikament, den Cholesterinsenker Lipitor, läuft im kommenden Jahr aus. Dann dürften Generikahersteller mit ihren billigeren Nachahmern auf den lukrativen Markt drängen. Experten erwarten, dass Pfizer binnen kurzer Zeit einen Großteil der Lipitor-Umsätze einbüßen wird.

Kindler begründete seinen Weggang mit den besonderen Herausforderungen der vergangenen Jahre, die ihn persönlich stark in Anspruch genommen hätten. Er verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf die „Anforderungen unserer vielen Anteilseigner weltweit“. Kindler zeichnete für die Übernahme des Rivalen Wyeth im vergangenen Jahr für 67 Milliarden Dollar verantwortlich.

Seine Ernennung 2006 war eine Überraschung gewesen. Damals wurde an der Fachkompetenz des früheren Leiters der Rechtsabteilung gezweifelt. Auf Kindler warteten schwere Aufgaben. So musste Pfizer aus Sicherheitsgründen die Forschung an dem Cholesterinmittel Torcetrapib überraschend einstellen. Nach dem Auslaufen des Patentschutzes für Lipitor sollte dieses Medikament nach ursprünglicher Planung die Umsätze stützen.

Pfizer setzte im vergangenen Jahr allein mit Lipitor 11,4 Milliarden Dollar um. Nach diesem und einer Reihe anderer Fehlschläge setzte Kindler dann mit der Milliardenübernahme von Wyeth zu einem Befreiungsschlag an. Der mit dem Zukauf verbundene Zugriff auf Biotechnologie-Arzneien und Impfstoffe soll helfen, das drohende Umsatzloch zu stopfen. Auch das Potenzmittel Viagra wird wohl in den kommenden Jahren seinen Patentschutz verlieren.

Analysten beurteilten den Wechsel an der Spitze des New Yorker Pharmariesen durchweg positiv. Tim Anderson von Sanford Bernstein zog in Zweifel, dass Kindler selbst über seinen Weggang entschieden hat - und nicht vielmehr dazu gedrängt wurde. Laut Kollege Les Funtleyder von Miller Tabak stehen die Veränderungen im Konzern im Zusammenhang mit der schlechten Entwicklung des Aktienkurses. Seit dem Wyeth-Kauf im Oktober 2009 sind die Papiere um rund fünf Prozent gefallen. Seit Kindlers Antritt im Juli 2006 betrug der Rückgang sogar 27 Prozent. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum büßte der NYSE-Arca-Pharmaindex für die großen Branchenwerte in den USA und in Europa lediglich zehn Prozent ein.

Kindlers Nachfolger Read wird sich auch an den Erfolgen des Konkurrenten Merck messen lassen müssen. Bei Anlegern ist beispielsweise die Übernahme von Schering-Plough durch Merck gut angekommen: Seit dem Kauf stiegen die Anteilsscheine um 15 Prozent. Auch Merck bekommt eine neue Spitze. Wie der Konzern in der vergangenen Woche mitteilte, wird Präsident Ken Frazier den Vorstandsposten von Richard Clark übernehmen. Hier wurde der Wechsel lange vorbereitet und war auch von Experten erwartet worden. Frazier war seit 2007 Leiter des weltweiten Pharmageschäfts.

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