Pharma-Riesen
AstraZeneca lehnt Pfizer-Übernahmeangebot ab

Der britische Pharma-Konzern AstraZeneca will sich nicht vom US-Rivalen Pfizer kaufen lassen. Verhandlungen seien derzeit nicht angebracht. Pfizer hatte zuvor Interesse bekundet und rund 100 Milliarden Dollar geboten.
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LondonDer US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer hat erstmals offiziell sein milliardenschweres Werben um den britischen Konkurrenten AstraZeneca bestätigt. Die Briten bleiben jedoch zunächst weiter hartnäckig. Gespräche am 26. April hätten nicht weitergeführt, teilte Pfizer am Montag mit. Ein von Pfizer im Januar abgegegene Vorschlag mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden US-Dollar sei nicht hoch genug gewesen.

Bis Ende Mai haben die Amerikaner nun Zeit, ein neues Gebot vorzulegen und AstraZeneca weiter zu umgarnen. Wenn die Briten einknicken, wäre die Übernahme mit einem Volumen eine der größten in der Geschichte und die größte Übernahme eines britischen Unternehmens durch Ausländer. Es entstünde der größte Pharmakonzern der Welt. Die Aktien von AstraZeneca legten am späten Vormittag rund 15 Prozent zu.

Wie Pfizer am Montag mitteilte, hatten die Firma bereits im Januar hatte den Briten angeboten, ihre Aktie mit 4661 Pence zu bewerten. Gemessen am damaligen Aktienkurs entsprach dies einer Prämie von rund 30 Prozent. Damit hätte Pfizer in bar und in Aktien für AstraZeneca rund 59 Milliarden Pfund (99 Mrd Dollar/71,6 Mrd Euro) auf den Tisch gelegt. Die Briten hatten sich zu dem Zeitpunkt nach kurzen Gesprächen zurückgezogen. Auch beim zweiten Werben vor wenigen Tagen bissen die Amerikaner auf Granit.

AstraZeneca äußerte sich nach etwas Bedenkzeit am Montag ebenfalls erstmals zur Sache. Die von Pfizer ins Spiel gebrachte Bewertung der Aktie von AstraZeneca sei „sehr deutlich“ zu niedrig. Der hohe Anteil von Pfizer-Aktien als „Währung“ für die Zahlung des Kaufpreises sei ein Problem. AstraZeneca betonte weiterhin, es glaube unverändert an eine erfolgreiche Zukunft als eigenständiges Unternehmen und die Umsetzung der Strategie, die zu den jüngsten Jahreszahlen vorgelegt wurde.

Pfizer-Chef Ian Read lobte den britischen Übernahmekandidaten, der von Analysten nicht als bestes Ziel im Markt angesehen wird. „Wir haben großen Respekt vor AstraZeneca und einem stolzen Erbe.“ Die vergangene Woche vorgelegten Zahlen zeigen bei AstraZeneca die Misere auf: Die Konkurrenz billigerer Nachahmermittel hat den Gewinn im ersten Quartal einbrechen lassen. Pfizer steht steht wegen ablaufenden Patentschutzes für den Blutfettsenker Lipitor und das Potenzmittel Viagra vor schwierigen Zeiten. Pfizer hat rund 90 000 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern, davon rund 3000 in Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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