Pharma
Vioxx, der Merck-Alptraum

In der Klagewelle um sein zurückgezogenes Schmerzmittel Vioxx hat der US-Pharmakonzern Merck & Co einen massiven Rückschlag hinnehmen müssen: Ein Bundesgericht in New Orleans sprach einem 62-jährigen Vioxx-Opfer eine Entschädigung von 51 Millionen Dollar zu.

HB NEW ORLEANS. In dem Prozess in New Orleans hatte ein pensionierter FBI-Beamter geklagt, der 2002 nach knapp dreijähriger Einnahme des Mittels einen Herzanfall erlitten hatte. Die Jury sprach die behandelnden Ärzte von jeder Schuld frei. Merck dagegen habe den Ärzten auf Anfrage wissentlich falsche Angaben gemacht oder sie gänzlich unterlassen. Zudem habe das Unternehmen fahrlässig gehandelt, weil es die Ärzte nicht ausreichend über die Risiken von Vioxx aufgeklärt habe.

Merck erklärte dagegen, man habe die nötigen Informationen in angemessener und verantwortungsvoller Weise an Wissenschaftler, Ärzte und Aufsichtsbehörden übermittelt. Das Unternehmen, das mit Darmstädter Firma Merck níchts zu tun hat, kündigte an, die Entscheidung von New Orleans anzufechten.

Die Merck-Aktie brach an der Wall Street nach den Entscheidungen um mehr als fünf Prozent ein. „Dieses Urteil wird in Erinnerung bringen, dass auf Merck möglicherweise noch erhebliche finanzielle Verbindlichkeiten zukommen, die sich langfristig auf bis zu fünf Milliarden Dollar belaufen könnten“, sagte der Analyst von Mehta Partners, Shaojing Tong.

Merck hat nun vier Vioxx-Fälle verloren und vier gewonnen. Einen der Verfahrenssiege kassierte ein Richter des Bundesstaates New Jersey am Donnerstag jedoch und ordnete einen neuen Prozess an. Im Fall eines 60 Jahre alten Postmitarbeiters wurde eine Neuverhandlung anberaumt, die Gerichtsangaben zufolge im kommenden Januar beginnen könnte. Einem Gerichtsbeamten zufolge gibt es neues Beweismaterial. Er berief sich auf eine medizinische Fachzeitschrift, in der die Einschätzung Mercks von Tests zur Sicherheit von Vioxx in Zweifel gezogen wurden. Zu diesem Fall gab es von Merck zunächst keine Stellungnahme. Insgesamt ist der Konzern nach früheren Angaben mit mindestens 14.200 Klagen konfrontiert.

Merck hatte Vioxx 2004 vom Markt genommen. Damals hatte sich herausgestellt, dass die Einnahme des Schmerzmittels über mehr als eineinhalb Jahre das Herzinfarkt-Risiko verdoppelt. Allein in den USA wurde Vioxx von rund 20 Millionen Patienten eingenommen.

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