Pharmabranche
Abu Dhabi übernimmt Nova Chemicals

Die International Petroleum Investment Co. (IPIC), die staatliche Investmentgruppe des Emirates Abu Dhabi, will den kanadischen Chemiekonzern Nova Chemicals für knapp 500 Mio Dollar in Cash übernahmen und damit ihre Position auf den westlichen Chemiemärkten ausbauen.

FRANKFURT. IPIC bietet dabei mit sechs Dollar je Aktie fast das Vierfache des letzten Börsenkurses und dürfte den führenden Chemiekonzern Kanadas mit der Offerte vor ernsthaften Liquiditätsproblemen bewahren. Nova gehört mit einem Konzernumsatz von 7,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 zu den führenden Herstellern von Basiskunststoffen wie Polyethylen.

Ähnlich wie die teilweise insolvente Lyondell-Basell-Gruppe und andere Petrochemie-Hersteller musste der Konzern im vierten Quartal aber herbe Verluste aufgrund sinkender Preise und Absatzmengen sowie hoher Abschreibungen auf Vorräte verkraften. Der Konzern verbuchte daher einen Fehlbetrag von 214 Mio Dollar im vierten Quartal und 48 Mio Dollar Verlust im Gesamtjahr.

Angesichts des rapiden Einbruchs waren in den vergangenen Monaten Befürchtungen gewachsen, Nova könne seine Zahlungsverpflichtungen im ersten Halbjahr 2009 nicht mehr erfüllen. Die Aktie des Chemiekonzerns verlor innerhalb eines Jahres rund 96 Prozent an Wert, bevor sich der Kurs gestern in Reaktion auf die IPIC-Offerte mehr als verdreifachte.

Mit IPIC macht sich erstmals ein arabischer Investor die schwachen Bewertungen im westlichen Chemiesektor für einen Expansionsschritt zunutze. Einschließlich der Verbindlichkeiten von Nova beträgt das Gesamtvolumen des Deals rund 2,3 Mrd. Dollar, was rund dem siebenfachen des letztjährigen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von Nova entspricht.

Chemiehersteller in Europa und Nordamerika sind im vierten Quartal auf breiter Front massiv unter Druck geraten, was vor allem einige hoch verschuldete Konzerne in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte. Branchenkenner sehen den Sektor vor diesem Hintergrund bereits seit längerem vor einer Phase der Bereinigung und Neuordnung. Arabische Öl- und Chemiekonzerne gelten dabei als potenzielle Käufer, hielten sich bislang aber weitgehend zurück. Kuwait Petroleum ließ in letzter Sekunde sogar ein großes Joint Venture mit dem US-Konzern Dow platzen, was wiederum den führenden amerikanischen Chemiekonzern in Schwierigkeiten brachte.

IPIC untermauerte unterdessen seine Expansionsbereitschaft im vergangenen Jahr bereits mit der Übernahme eines 70-prozentigen Anteils am Anlagenbauer MAN Ferrostahl. Bereits 2005 erwarb die Investmentgruppe eine Mehrheitsbeteiligung an dem norwegischen Petrochemiehersteller Borealis. Außerdem hält sie knapp ein Fünftel am österreichischen Mineralöl-Konzern OMV sowie Beteiligungen in Pakistan, Ägypten, Spanien, Japan und Südkorea. Den Gesamtwert ihrer Beteiligungen beziffert IPIC auf 14 Mrd. Dollar.

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