Pharmabranche
Astra Zeneca und BMS hoffen auf Diabetesmarkt

Die beiden Pharmakonzerne Astra Zeneca und Bristol-Myers Squibb (BMS) streben in Deutschland auf den hart umkämpften Markt für Antidiabetika. Dieses Feld ist zwar hart umkämpft, allerdings auch sehr erfolgversprechend.

HB FRANKFURT. „Diabetes ist ein sehr großes und hart umkämpftes Therapiefeld und wir wollen mit unseren oralen Produkten Marktführer werden“, sagte Henning Wrogemann, Geschäftsführer Astra Zeneca Deutschland, am Donnerstag in Frankfurt. Beide Konzerne hatten 2007 ihre weltweite Kooperation in der Diabetesforschung gekannt gegeben, die bis 2022 angelegt ist. Eine Zusammenarbeit bei anderen Indikationen sei derzeit nicht geplant, so Wrogemann und Han Steutel, Geschäftsführer Deutschland des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb. Eine Kooperation sei in vielen Fällen eine bessere Option als eine Fusion erklärte Steutel in Anspielung auf die jüngsten Megafusionen in der Branche nach der Milliardenübernahme von Wyeth durch den Branchenprimus Pfizer.

BMS übernehme in der neuartigen Kooperation bei Diabetesmittel die Produktion der Medikamente und die Briten die Zulassung. Aussagen über die Kosten für die Marktzulassung und den angepeilten Marktanteil machten beide Unternehmen nicht. „Für Astra Zeneca ist Diabetes ein neues Therapiefeld und für Bristol-Myers Squibb ist es dies in Deutschland“, sagte Wrogemann. AstraZeneca sei sehr stark und sehr erfahren im Hausarztbereich und Diabetes sei eine Erkrankung, die in Deutschland hauptsächlich vom Hausarzt behandelt wird“, umriss Wrogemann die Chance für AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb mit den eigenen oralen Mittel einen bedeutenden Marktanteil zu erreichen.

„Mit dem ersten Produkt Saxagliptin, das unter dem Markennamen 'Onglyza' vertrieben werden soll, sind wir eindeutig nicht im Segment der Insuline, die ja gespritzt werden müssen“, sagte Wrogemann. Analysten trauen „Onglyza“ einen weltweiten jährlichen Spitzenumsatz von 2,5 bis 3,5 Mrd. Dollar zu. „Saxagliptin ist die erste Substanz, die wir gemeinsam auf den Markt bringen werden“, sagte Wrogemann. Mit einer Zulassung in Europa werde im dritten Quartal 2009 gerechnet. Beide Konzerne wollen das Mittel zuerst in Deutschland auf den Markt bringen. Deutschland sei der größte Markt für Antidiabetika in Europa und Frankfurt die Wiege der Diabetes-Forschung. „Onglyza“ soll bei Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Analysten gehen davon aus, dass die beiden Pharmakonzerne damit dem Blockbuster-Medikament „Januvia“ des Konkurrenten Merck & Co ernsthafte Konkurrenz machen können. Merck & Co setzte 2008 1,4 Mrd. Dollar mit seinem Medikament um.

Die Diabetesmittel der Klasse der Gliptine werden die orale Therapie bei Diabetes dominieren, sagte der Astra Zeneca-Geschäftsführer Deutschland. Gliptine wiesen den Vorteil auf, dass sie nicht zu einer Unterzuckerung oder zu Übergewicht führten. Zudem wollten viele Patienten so spät wie möglich Insuline spritzen und griffen eher zu Tabletten. „Wir arbeiten bereits an einem zweiten Produkt mit dem Namen „Dapagliflozin' zusammen, das wir hoffentlich 2012 auf den Markt bringen können,“ sagte Steutel.

Experten gehen laut AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb davon aus, dass sich die Zahl der Diabetiker weltweit von zurzeit 246 Mio. auf 380 Mio. im Jahr 2025 erhöhen wird. Ein mangelhaft eingestellter Blutzuckerwert führe vielfach zu Folgeerkrankungen und Komplikationen des Typ-2-Diabetes. Fünf bis acht Prozent der deutschen Bevölkerung seien an Diabetes Typ-2 erkrankt. Diabetes ist eine weitverbreitete Stoffwechselkrankheit. Sie tritt auf, wenn ein Mensch in seinem Körper Zucker nicht oder nicht mehr abbauen kann. Gründe dafür sind entweder, dass er nicht eigenes Insulin produziert oder dass er unempfindlich gegen Insulin ist. Die Erkrankung führt in der Regel zu einer Überzuckerung, die zu Durchblutungsstörungen und schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Die häufigste Art der Erkrankung ist der Diabetes Typ-2, unter dem mehr als 90 Prozent der Diabetiker leiden. Anders als bei Diabetes des Typ 1 lässt sich der Typ zwei entscheidend durch die Lebensweise beeinflussen. Übergewicht und ungesunde Ernährung kombiniert mit wenig Bewegung, erhöhen das Risiko an Diabetes zwei zu erkranken. Forscher der Universität Köln haben berechnet, dass Diabetiker im Jahr 2001 durchschnittlich Kosten von 5 262 Euro verursachten. Das waren 2 507 Euro mehr als Nichtdiabetiker. Diese Zahlen dürften zum gegenwärtigen Zeitpunkt deutlich höher liegen.

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