Pharmabranche: Banken stemmen Pfizer-Deal

Pharmabranche
Banken stemmen Pfizer-Deal

Eine der größten Übernahmen in der Pharmabranche lässt Marktteilnehmer auf Tauwetter an den eingefrorenen Kreditmärkten hoffen: Der Branchenführer Pfizer will für rund 68 Mrd. Dollar in bar und eigenen Aktien den etwa halb so großen US-Konkurrenten Wyeth kaufen. Experten rechnen damit, dass nach der Transaktion die Konsolidierung im Pharmabereich weitergehen wird.

ebe/hgn/rob/tel NEW YORK/FRANKFURT. Für die größte Übernahme seit Beginn der Finanzkrise konnte sich Pfizer 22,5 Mrd. Dollar an Krediten von einem Bankenkonsortium sichern, 22,5 Mrd. Dollar steuert der Konzern in bar bei, für den Rest werden eigene Aktien geboten.

"Natürlich ist das Kreditumfeld herausfordernd", sagte Pfizer-Chef Jeff Kindler in einer Pressekonferenz. "Aber Pfizer wie Wyeth haben eine ausgeglichene Bilanz." Dass die Banken den Kredit gewährt haben, sieht der Pfizer-Chef denn auch als "positives Zeichen für die amerikanische Wirtschaft". Der fusionierte Konzern Pfizer/Wyeth wird mit einem Umsatz von 70 Mrd. Dollar den Verfolger Glaxo Smithkline um mehr als 20 Mrd. Dollar Umsatz hinter sich lassen. Mit diesem Mega-Deal mitten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Geschichte gibt Pfizer dem am Boden liegenden Geschäft der Investmentbanken wieder etwas Auftrieb. So dürfen sich allein die Berater von Wyeth, Morgan Stanley und Evercore Partners, Gebühren in Höhe von rund 125 Mio. Dollar teilen. Auf der Seite von Pfizer können die Berater von Bank of America, Goldman Sachs, JP Morgan, Barclays und Citigroup endlich wieder einen großen Auftrag bearbeiten.

"Die Konsolidierung im Pharmabereich wird nach der Pfizer-Transaktion weitergehen. Übernahmen in den unterschiedlichsten Größenordnungen bleiben auf der Tagesordnung", sagte Ernst Faßbender, Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland. Er geht von weiteren Deals aus, die geschwächte Unternehmen sowie Banken aus ihrer Notlage heraus anstreben. "Wenn institutionelle Investoren die Chance sehen, eine attraktive Übernahmeprämie zu realisieren, dann werden sie zugreifen", sagte Michael Drill, Chef von Lincoln International in Deutschland. Die Großanleger könnten dadurch einen Teil ihrer krisenbedingten Verluste ausgleichen.

Neben der Pharmabranche seien weitere Transaktionen in den Branchen Nahrungsmittel und Konsumgüter zu erwarten, wo es stabile Geldströme, Cash-Flows und gute Gewinne gebe. Dagegen glaubt Drill nicht, dass sich das Fusionsgeschäft bei zyklischen Wirtschaftszweigen wie der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie bei Transport und Logistik erholen wird. Sie würden von der Rezession in den wichtigsten Industrieländern der Welt voll getroffen.

Nachdem das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (M&A) 2008 rund um den Globus mehr als 30 Prozent eingebrochen ist, sehen Banker in dem Pfizer-Deal zumindest ein positives Signal. "Das ist ein Zeichen, dass der M&A-Markt keineswegs tot ist", sagte Christian Kames, Managing Director bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. "Es ist typisch für schwierige Zeiten, dass starke Spieler den Markt konsolidieren." Auffällig sei bei der Pfizer-Transaktion der Umstand, dass ein großer Teil des Kaufpreises in Aktien bezahlt werde. "Das wird nicht untypisch für die nächsten Transaktionen sein."

Pfizer hatte mehr als 25 Mrd. Dollar Liquidität auf der hohen Kante, um die Voraussetzung für die Transaktion mit Wyeth zu schaffen. Abgesehen von den erfolgreichsten Konzernen in traditionell renditestarken Branchen wie Pharma oder IT verfügt aber kaum ein Unternehmen über ein Cash-Polster in zweistelliger Milliardenhöhe. Finanzexperten warnen deshalb davor, den Milliardendeal als Licht am Ende des Tunnels zu interpretieren. "Es ist ein Lebenszeichen, mehr nicht", sagte ein New Yorker Investmentbanker, der nicht genannt werden wollte.

Schließlich kommen insbesondere vom US-Arbeitsmarkt fast im Tagesrhythmus verheerende Signale: Allein gestern kündigten etliche börsennotierte Konzerne den Abbau von zusammen mehr als 70 000 Stellen an, darunter der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar, der krisengeschüttelte Mobilfunkanbieter Sprint-Nextel und die führende US-Baumarktkette Home Depot. Auch Pfizer plant im Zuge der Wyeth-Übernahme den Abbau von weiteren 20 000 Jobs oder 15 Prozent der Belegschaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%