Pharmabranche
Bayer offen für Zukäufe – und zwar große

Bayer denkt in der Krise über größere Zukäufe nach. Dabei will Konzernchef Werner Wenning allerdings keine finanziellen Abenteuer eingehen. Und auch zum Wachstum aus eigener Kraft hat Wenning klare Vorstellungen.
  • 0

HB FRANKFURT. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer kann sich in Zukunft auch wieder größere Zukäufe vorstellen. "Davor schrecken wir nicht zurück", sagte Bayer-Chef Werner Wenning am Donnerstagabend vor Journalisten in Leverkusen. Sollten sich im Markt sinnvolle Gelegenheiten auftun, werde sich Bayer das anschauen. "Gesunde Finanzstrukturen" seien für Bayer aber sehr wichtig, betonte Wenning. "Wir machen keine finanziellen Abenteuer." Nach der 2006 erfolgten Großübernahme des Berliner Arzneimittelherstellers Schering hatte sich Bayer zuletzt eher auf kleinere Übernahmen beschränkt.

Zu den Geschäftsbereichen, in den Bayer sein Wachstum auch durch Zukäufe ankurbeln will, gehört die Gesundheitssparte HealthCare. In der Tiermedizin hatten sich hier in diesem Jahr infolge von Milliardenübernahmen in den USA Gelegenheiten aufgetan, bei denen Bayer jedoch nicht zum Zuge kam. Wenning zufolge könnten sich in diesem Bereich weitere Möglichkeiten am Markt ergeben. Bayer erwirtschaftete in seiner Tiermedizinsparte Animal Health 2008 einen Umsatz von 963 Mio. Euro.

Im Gegensatz zu anderen Arzneimittelherstellern befürchtet der Leverkusener Traditionskonzern in den Jahren 2010 bis 2012 keine Patentabläufe von wichtigen Medikamenten. "Wir kommen heil durch die Jahre", sagte der Bayer-Chef. Erst im Jahr 2014 werde mit dem Antibiotikum Avalox bei einem größeren Medikament ein Patent ablaufen. Das Mittel war 2008 mit einem weltweiten Umsatz von 462 Mio. Euro das fünfstärkste Medikament des Bayer-Pharmageschäfts. Bei vielen Rivalen laufen in den kommenden drei Jahren die Patente von Milliardenmedikamenten aus, unter anderem für den Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer, mit dem der US-Pharmariese zuletzt rund ein Viertel seiner Umsätze machte.

Wenning bekräftigte das Ergebnisziel für das laufende Jahr und rechnet im Konzern weiter damit, den Rückgang des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf etwa fünf Prozent zu begrenzen. "Wobei wir schon wissen, dass das sehr herausfordernd ist", fügte er hinzu. In der von der Konjunkturkrise stark getroffenen Kunststoffsparte MaterialScience sei seit April eine Verbesserung der Nachfrage festzustellen. "Wir sehen hier einen positiven Trend." Dabei kämen die Impulse vor allem aus Asien. Der Firmenchef blieb aber vorsichtig. Von einem sich selbst tragenden Aufschwung könne noch nicht gesprochen werden. Dazu müsste das Konsumverhalten in den USA erst wieder nachhaltig anspringen.

Zu den jüngsten Berichten um ein Interesse das Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi am Kunststoffgeschäft MaterialScience hielt sich der Bayer-Chef bedeckt. "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Marktgerüchten." Der Chemiebranchendienst "ICIS" hatte unlängst den Vorsitzenden der International Petroleum Investment Company (IPIC), Khadem al Qubaisi, mit den Worten zitiert: "Bayer MaterialScience ist eines der Unternehmen, mit denen wir gesprochen haben."

Kommentare zu " Pharmabranche: Bayer offen für Zukäufe – und zwar große"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%