Pharmabranche
Börse spielt feindliche Schering-Übernahme

Für Experten ist das Übernahmeangebot des Pharmakonzerns Merck für den Konkurrenten Schering erst der Beginn einer vermutlich langwierigen Schlacht. Doch nicht nur die großen Anbieter treiben die Konsolidierung in der Arznei-Industrie voran: Auch im Mittelfeld der Branche positionieren sich die Anbieter neu.

HB FRANKFURT. Das Angebot ist am Montag an der Börse mit einem Kursaufschlag bis zu 28 Prozent honoriert worden. Der Kurs der Schering-Aktien war mit 85,55 Euro so hoch wie nie zuvor.

„Die Börse spielt die feindliche Übernahme. Entweder legt Merck noch drauf, oder ein weiterer Interessent meldet sich“, sagte ein Händler. Der Umsatz erreichte bis zwei Stunden vor Handelsschluss mit rund 16 Millionen Aktien ein Rekordniveau. Der Kurs der Merck-Aktien gab im Nebenwerteindex MDax bis rund drei Prozent auf 81 Euro nach. Händler machten dafür den aus Merck-Sicht relativ hohen Preis verantwortlich.

„Das ist nur der Anfang einer vermutlich langwierigen Übernahmeschlacht, denn Schering wird sich sicher wehren“, sagte eine Analystin voraus und erinnerte an das zunächst feindliche Übernahmeangebot der französischen Sanofi für den deutsch-französischen Aventis-Konzern. 2004 hatten sich die zwei Konzerne eine viermonatige Übernahmeschlacht geliefert, die mit einem höheren Angebot für Aventis endete, in der in den späten 1990er Jahren die deutsche Hoechst AG aufgegangen war.

Viele Experten zweifeln an starken Synergieeffekten zwischen Merck und Schering. Beide hätten keine viel versprechenden Produkt-Pipelines. „Das Pharmageschäft von Merck mit Margen unter zehn Prozent und einer fast leeren Pipeline würde absolut gar nichts zum Schering-Geschäft beitragen“, stellt die US-Investmentbank Merrill Lynch fest. Zudem arbeite Schering in anderen Nischen als Merck. Merck bezifferte die Synergieeffekte ab 2009 auf 500 Millionen Euro.

Mit der Übernahme könnten die Chancen für Merck steigen, in den Dax aufgenommen zu werden. Das hängt nach Angaben von HVB- Analyst Christian Stocker vor allem davon ab, wie viele Anteile Merck schließlich an Schering halten wird. „Theoretisch ist das aber erst im Herbst denkbar“, sagte Stocker. Im MDax gehören Merck mit einer Gewichtung von rund fünf Prozent zu den Schwergewichten. Dagegen ist Schering mit 2,3 Prozent im Dax ein Leichtgewicht.

Börsianer gehen davon aus, dass die Übernahme der Auftakt für eine größere Konsolidierung der Pharmabranche sein wird. Davon profitierten auch die Aktien von Schwarz Pharma, die im MDax bis zu fünf Prozent zulegten. Altana, deren Aktien im Dax notiert sind, stiegen um 3,5 Prozent.

Die Pharmaindustrie hat sich wie kaum eine andere Branche weltweit in den vergangenen Jahren durch Fusionen und Übernahmen verändert. In den USA verleibte sich Pfizer die Wettbewerber Warner-Lambert und Pharmacia ein, in der Schweiz entstand aus Ciba und Sandoz der neue Anbieter Novartis. Zuletzt fusionierte der französische Sanofi-Konzern mit dem Konkurrenten Aventis.

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