Pharmabranche
Der Milliarden-Segen der Schweinegrippe-Pandemie

Die Grippe-Pandemie beschert Medikamenten- und Impfstoffherstellern höhere Zusatzumsätze als bisher erwartet. Besonders die Vorsorgemaßnahmen staatlicher Einrichtungen beflügelt das Geschäft der Pharmakonzerne. Und das Potenzial des Pandemiemarktes ist noch keineswegs ausgereizt.

FRANKFURT. Das Geschäft mit Medikamenten und Impfstoffen gegen eine mögliche Grippe-Pandemie gibt mehreren europäischen Pharmakonzernen offenbar noch stärkeren Schub als bislang erwartet. Für die wichtigsten Anbieter zeichnen sich nach Industriedaten und Analystenschätzungen zusätzliche Umsätze von zusammen mehr als acht Mrd. Dollar ab, wovon allerdings nur ein Teil noch in diesem Jahr verbucht wird.

Wie stark die Vorsorgemaßnahmen staatlicher Einrichtungen das Geschäft einzelner Pharmahersteller beflügeln, zeigten gestern zum Beispiel die sehr starken Quartalszahlen des Roche-Konzerns. Zum Umsatzwachstum des Schweizer Pharmariesen um währungsbereinigt elf Prozent in den ersten neun Monaten trug das Grippemedikament Tamiflu alleine gut die Hälfte bei. Der Tamiflu-Umsatz verfünffachte sich in den ersten neun Monaten auf zwei Mrd. Franken (knapp zwei Mrd. Dollar). Gut zwei Drittel davon entfiel nach Angaben von Roche auf Regierungsaufträge im Rahmen der Pandemievorsorge.

Die Umsatzerwartung für Tamiflu im Gesamtjahr hat das Roche-Management von bisher zwei auf 2,7 Mrd. Franken angehoben. Für 2010 geht das Unternehmen zwar von einem Rückgang der Tamiflu-Erlöse auf 700 Mio. Franken aus, aber auch das ist mehr, als es bislang kalkuliert hat.

Nicht zuletzt dank der Zusatzerlöse im Grippegeschäft konnte das Roche-Management auch die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr weiter erhöhen. Der Baseler Konzern geht nun davon aus, dass er seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreswert von rund 46 Mrd. Franken mindestens um einen hohen einstelligen Prozentsatz steigern kann. Für Schwung sorgen dabei neben Tamiflu auch die weiter steigenden Umsätze mit Krebsmedikamenten wie Avastin, Herceptin und Tarceva sowie ein relativ starkes Geschäft mit Diagnostika.

Ebenso wie Roche dürfte auch die britische Glaxo-Smithkline (GSK) stürmische Zuwächse für ihr Grippemittel Relenza verbuchen. Im ersten Halbjahr haben sich die Umsätze mit diesem Wirkstoff auf 450 Mio. Dollar fast verzehnfacht. Relenza und Tamiflu sind die einzigen antiviralen Medikamente, denen einen Wirksamkeit gegen Grippeviren bescheinigt wird.

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