Pharmabranche
Generikafirma Teva strotzt vor Zuversicht

Der Generikahersteller Teva sieht die globale Wirtschaftskrise als Chance, seine Position auf dem Pharma-Markt zu verbessern. Der Weltmarktführer für Nachahmermedikamente will in der Krise Pharmakonzernen Marktanteile abnehmen – ein Kauf des deutschen Pharmaherstellers Ratiopharm sei allerdings nicht geplant.

FRANKFURT. „Die Generika-Industrie ist bekannt für ihre Stärke und bietet in diesen Zeiten vielleicht auch bessere Lösungen an“, sagte Teva-CEO Shlomo Yanai gestern auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv. „Dies ist eine Gelegenheit, um unseren Marktanteil auszubauen“, gab sich der Chef der israelischen Firma zuversichtlich.

Der mit Abstand größte Hersteller von patentfreien Nachahmerprodukten hatte im vergangenen Jahr seine Führungsposition durch den Kauf des US-Wettbewerbers Barr, viertgrößter Anbieter in der Branche, noch einmal ausgebaut. Der Zukauf wurde im Dezember abgeschlossen. Teva wuchs nach den gestern veröffentlichten Jahreszahlen um elf Prozent auf einen Gesamtumsatz von 11,1 Mrd. Dollar Umsatz. Der Nettogewinn sank wegen des Barr-Zukaufs um rund zwei Drittel auf 635 Mio. Euro. Weltweit zweitgrößter Hersteller von Generika-Medikamenten ist die Novartis-Tochter Sandoz mit einem Umsatz von 7,56 Mrd. Dollar.

Weil der Teva-Konzern sich derzeit noch voll auf die Integration von Barr konzentriere, habe man kein Interesse am deutschen Generika-Hersteller Ratiopharm, sagte Finanzchef Eyal Desheh. Ratiopharm soll im Zuge der Sanierung der Merckle-Gruppe verkauft werden, die Ende vergangenes Jahres in Finanznöte geraten war.

Yanai peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 14,6 Mrd. Dollar an, was einem Wachstum von mehr als 30 Prozent entspräche. Zwei Drittel des Zuwachses dürften auf den Barr-Zukauf entfallen. Mit der rund neun Mrd. Dollar teuren Akquisition hat sich Teva rund ein Viertel des US-Generikamarktes gesichert und außerdem Zugang zu den schnell wachsenden Märkten in Osteuropa erhalten.

Die Prognosen für das Wachstum des weltweiten Generikamarktes differieren. Der amerikanische Generikaverbandes geht von etwa sieben Prozent Zunahme aus. Das Marktforschungsinstitut IMS Health schätzt die Entwicklung wegen der anhaltenden Preiskämpfe der Anbieter dagegen eher schwächer ein. Nach zweistelligen Wachstumsraten im Jahr 2007 legte der Markt 2008 noch um 3,6 Prozent zu.

Teva-Chef Yanai kann im schärfer werdenden Generikawettbewerb mit den Barr-Kauf weitere Größenvorteile realisieren. Der Zusammenschluss eröffne noch größere Synergien als ursprünglich erwartet, sagte er. Teva ist mit seinem Generikazukauf damit deutlich glücklicher als der japanische Konzern Daiichi Sankyo, der kürzlich auf seine Beteiligung an der indischen Ranbaxy rund 3,5 Mrd. Dollar abschreiben musste. Daiichi hatte Ranbaxy vergleichsweise teuer eingekauft: Während Teva für Barr das 29-fache des Gewinns vor Zinsen und Steuern hinlegte, zahlte Daiichi das 39-fache.

Erfolgreich ist Teva übrigens auch jenseits des Generikageschäfts mit einem innovativen Medikament: Das weltweit meistverkaufte Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone wuchs um 32 Prozent auf 2,3 Mrd. Dollar Umsatz.

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