Pharmabranche
Merck erhöht Gewinnprognose

Merck hat aus seinen früheren Problemen im Bereich der Pharmaforschung gelernt und sich rundum neu aufgestellt. Das zahlt sich aus, wie die neusten Quartalszahlen des hessischen Unternehmens zeigen.
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DarmstadtDer Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will sich künftig wieder stärker auf die Suche nach Übernahmen begeben. Dank der Erfolge des harten Sparkurses sieht sich das Unternehmen dafür finanziell gut gerüstet. „Merck ist bereits jetzt stärker und profitabler als zu Beginn unseres Veränderungsprozesses vor einigen Jahren“, sagte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley am Donnerstag bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. Nach einem überraschend deutlichen Ergebnisanstieg hoben die Darmstädter ihr Gewinnziel für dieses Jahr an. Merck habe in allen seinen vier Konzernsegmenten Ideen für Übernahmen.

An der Börse kamen der Quartalsbericht und die Aussagen der Konzernspitze gut an. Die Aktie legte in einem freundlichen Gesamtmarkt um 1,1 Prozent zu.

Merck könne mit seiner Bilanz mehrere Milliarden Euro finanzieren, sagte Finanzchef Matthias Zachert. Der Konzern baute seine Nettofinanzschulden inzwischen bis Ende September auf 536 Millionen Euro ab von 1,93 Milliarden Euro Ende 2012. Zachert hatte zuvor bereits gesagt, dass Merck in den Jahren ab 2014 auch wieder forcierter das Thema Zukäufe angehen werde. Mit Zukäufen könnte das Unternehmen das relativ kleine Geschäft mit rezeptfreien Präparaten wie Nasivin ausbauen und auch sein Pharmageschäft auf ein stabileres Fundament setzen. Die letzte große Übernahme war 2010 der Kauf des Laborausrüsters Millipore für rund fünf Milliarden Euro.

Konzernchef Kley hatte dem Dax-Unternehmen nach mehreren herben Rückschlägen in der Pharmaforschung ein Umbauprogramm verordnet. Ziel ist es unter anderem, die Schlagkraft des Arzneimittelgeschäfts zu verbessern und die Entwicklung neuer Medikamente schneller voranzutreiben. Dazu sollen auch Änderungen im Management beitragen. So hat die Pharmasparte Merck Serono inzwischen eine neue Leiterin. Denn aktuell hat Merck kaum Nachschub an neuen Präparaten - zudem drohen Patentabläufe bei wichtigen Medikamenten ab der Mitte des Jahrzehnts. Mit dem Sparpaket „Fit für 2018“ will Kley insgesamt ab 2018 jährlich 385 Millionen Euro einsparen. Dafür sollen allein in Deutschland bis 2015 etwa 1100 Stellen gestrichen werden, der überwiegende Teil davon dieses und nächstes Jahr. Bei Merck Serono will der Konzern bis Ende dieses Jahres rund 250 Millionen Euro an Einsparungen erzielen.

Im dritten Quartal bauten die Hessen ihren bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) dank der Sparschritte und guter Geschäfte in den Schwellenländern um 10,1 Prozent auf 830,7 Millionen Euro aus. Analysten hatten weniger erwartet. Der Konzern erzielte Gesamterlöse von 2,75 Milliarden Euro und damit 3,1 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Vor allem ungünstige Wechselkurse machten Merck zu schaffen. Unter dem Strich blieben 339,6 Millionen Euro. Noch vor Jahresfrist hatte wegen der Kosten des laufenden Sparprogramms nur ein Gewinn von 185,5 Millionen Euro in den Büchern gestanden.

Für das Gesamtjahr erwarten die Darmstädter jetzt einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 3,2 bis 3,25 Milliarden Euro nach 2,97 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Bislang hatte Merck 3,1 bis 3,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Umsatzprognose bekräftigte Kley: Er erwartet 2013 weiter einen Konzernumsatz von 10,7 bis 10,9 Milliarden Euro. In drei der vier Konzernsparten will Merck dieses Jahr aus eigener Kraft wachsen. Für die Chemiesparte Performance Materials, zu der auch das Geschäft mit Flüssigkristallen gehört, stellte der Vorstandschef einen Umsatz auf Vorjahresniveau in Aussicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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