Pharmabranche
Neuer Anlauf für Celesio-Deal

Möglicherweise läuft der Deal nun durch die Hintertür: Haniel, Mehrheitseigner des Pharmakonzerns Celesio, will Insidern zufolge Aktien kaufen und sie dann an den Bieter McKesson weitergeben, um Blockierer zu umgehen.
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FrankfurtÜberraschende Wende im Poker um Celesio : Zwei Wochen nach dem Scheitern der Übernahme des Stuttgarter Pharmahändlers durch den US-Konzern McKesson könnten die Amerikaner doch noch zum Zuge kommen. Der Celesio-Mehrheitsgesellschafter Haniel lote in Gesprächen aus, ein Gesamtpaket von 75 Prozent der Celesio-Anteile zusammenzuschnüren, um dieses dann an den US-Pharmahändler McKesson weiterzureichen, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Grundlage einer möglichen Übereinkunft könnte ein Preis von 23,50 Euro sein. Dazu verhandele Haniel auch mit dem US-Hedgefonds Elliott über dessen Celesio-Aktienpaket. "Es laufen Sondierungen zwischen Haniel und Elliott", sagte einer der Insider. Es sei aber noch nichts unterschriftsreif. Die Investmentgesellschaft hatte zuletzt allein in Aktien eine Beteiligung von 24,08 Prozent an Celesio gemeldet. Die genaue Struktur einer möglichen Transaktion blieb zunächst unklar. Die neue Entwicklung verhalf der Celesio-Aktie im MDax zu einem Kursplus von 2,5 Prozent auf 23,55 Euro.

Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, eine Einigung stehe kurz bevor. Ein Haniel-Sprecher wollte sich nicht äußern. Auch Elliott lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab - ebenso Celesio. McKesson war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der US-Pharmagroßhändler McKesson war vor rund zwei Wochen mit seiner 6,2 Milliarden Euro schweren Offerte für Celesio gescheitert. Damit war die größte Übernahme im deutschen Gesundheitssektor seit 2006 erst einmal geplatzt. Die Amerikaner hatten nur 72,33 Prozent und nicht die geforderte Anteilsschwelle von 75 Prozent der Aktien erreicht. Am Ende half auch nicht, dass McKesson-Chef John Hammergren nach langem Poker mit Elliott seine Offerte noch kurz vor Schluss um 50 Cent auf 23,50 Euro erhöht hatte. Für Elliott bedeutete das Scheitern einen empfindlichen Investmentverlust, denn der Hedgefonds war zuletzt mit rund 800 Millionen Euro bei Celesio engagiert. Elliott hat daher ein starkes Interesse, dass eine Transaktion doch noch zustande kommt.

Nach dem Scheitern hatte McKesson seine Beteiligung an Celesio fast vollständig abgebaut. Die Amerikaner hatten den Kaufvertrag mit dem Duisburger Familienunternehmen Haniel rückabgewickelt. Denn die Übernahme der Haniel-Beteiligung von 50,01 Prozent an Celesio war daran gekoppelt, dass McKesson die 75-Prozent-Schwelle mit seiner Offerte schafft. Nun hält Haniel weiterhin die Mehrheit an den Stuttgartern. Elliot wiederum hatte seine Beteiligung an Celesio trotz der gescheiterten Übernahme auf 24,08 Prozent aufgestockt. Dazu kommen Wandelanleihen, die dem Hedgefonds weitere 7,93 Prozent der Anteile an Celesio sichern könnten.

In Finanzkreisen war bereits damit gerechnet worden, dass die Beteiligten einen neuen Anlauf starten könnten, um die Transaktion doch noch zu retten. Mit dem Kauf von Celesio würde McKesson mit einem Schlag einer der führenden Pharmagroßhändler in Europa. US-Wettbewerber wie Amerisource Bergen oder Cardinal Health waren bereits große Einkaufsbündnisse eingegangen, um unter anderem günstige Lieferverträge mit den Generikafirmen auszuhandeln. McKesson steht bislang alleine da.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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