Pharmabranche
Novartis kauft frühere Biotechtochter zurück

Novartis investiert wieder verstärkt in Biotechnologie. Für rund 660 Millionen Euro hat der Pharmariese nun die Hälfte des Aktienpakets des Biotechunternehmen Speedel übernommen - und damit den Börsenwert Baseler Biotechfirma an nur einem Tag verdoppelt.

FRANKFURT. Das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis hat für 907 Mill. Franken (umgerechnet rund 660 Mill. Euro) einen Anteil von knapp 51,7 Prozent am Baseler Biotechunternehmen Speedel erworben. Novartis zahlt pro Speedel-Aktie 130 Schweizer Franken, das ist fast doppelt so viel, wie die Firma zuletzt bewertet worden war. Speedel-Aktien hatten am Mittwoch mit einem Kurs von 67,10 Franken geschlossen. Verkauft haben einige Großaktionäre von Speedel, darunter Firmenchefin Alice Huxley.

Novartis ist mit 39,8 Mrd. Dollar Umsatz und knapp zwölf Mrd. Dollar Gewinn das viertgrößte Pharmakonzern der Welt. Mit dem Aktienpaket stockt Novartis seinen Anteil an Speedel auf 61,4 Prozent auf und will den übrigen Aktionären ein Kaufangebot von 130 Franken pro Aktie machen. Novartis kann mit Speedel die starke Position im Bereich Herz-Kreislauf-Krankheiten ausbauen und verweist auf deren vielversprechende Forschungsprojekte.

Der Kauf setzt eine Reihe von Biotech-Akquisitionen großer Pharmakonzerne fort, die so ihren Produktnachschub stärken wollen. Vor wenigen Wochen kündigte etwa der Weltmarktführer Pfizer die Übernahme der US-Firma Encysive an, die britische Glaxo-Smithkline will sich mit Sirtis aus den USA verstärken. Im April kaufte die japanische Takeda die auf Onkologie spezialisierte US-Biotechfirma Millennium, Konkurrenz Eisai hatte im Dezember MGI Pharma erworben. Auch Astra-Zeneca, Roche und Boehringer Ingelheim haben zugekauft.

Takeda und Eisai hatten Aufschläge auf die Aktienkurse von 53 bzw. 39 Prozent gezahlt, Glaxo 84 Prozent und Pfizer sogar 127 Prozent. Novartis liegt mit 94 Prozent also im oberen Bereich. Allerdings verbindet Käufer und Kaufobjekt eine langjährige Kooperation. Speedel ist aus einem 1998 ausgelagerten Forschungsprojekt von Novartis entstanden. Erforscht wurde ein neuartiger Wirkansatz zur Behandlung von Bluthochdruck. 2002 kaufte Novartis die Rechte für das Mittel zurück und startete große klinische Studien. 2007 bekam das Medikament unter dem Namen Tekturna in den USA und als Rasilez in Europa die Zulassung.

Speedel machte 2007 insgesamt 3,1 Mill. Schweizer Franken Umsatz, gespeist aus den Verkäufen von Tekturna/Rasilez; Novartis verbuchte 40 Mill. Dollar Umsatz mit dem Medikament. Speedel hatte dem großen Partner daraufhin vorgeworfen, das Mittel zu zaghaft zu vermarkten. Novartis ist derzeit im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Diovan (fünf Mrd. Dollar Umsatz) einer der großen Anbieter. Das Patent läuft aber 2012 aus. Rasilez/Tekturna wird das Potenzial zugetraut, die zu erwartenden Umsatzausfälle dann zumindest teilweise aufzufangen.

Speedel-Chefin Alice Huxley begründet den Verkauf ihres Pakets damit, dass angesichts von anstehenden Finanzierungbedürfnissen und der schlechten Stimmung am Kapitalmarkt der Deal mit Novartis eine Lösung sei, „die ein solides Fundament für die Zukunft von Speedel verspricht“. Analysten begrüßten den Kauf: Die Aktie von Novartis gab in Zürich nur leicht um 0,4 Prozent nach, Speedel stiegen um 92 Prozent auf mehr als 129 Schweizer Franken.

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