Pharmabranche
Novartis wächst durch Zukäufe

Die Pharmabranche durchläuft zur Zeit eine schwierige Phase. Das geht auch an Novartis nicht vorbei. Der seit Februar amtierende Novartis-Chef Jimenez setzt nun auf Innovation und Diversifierung.
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FRANKFURT. Der weltweit fünftgrößte Pharmakonzern Novartis will weiter an der Strategie der so genannten „fokussierten Diversifizierung“ festhalten - aber gleichzeitig Innovation vorantreiben, um die Zahl der Medikamentenzulassungen auszubauen. Diese Wachstumsstrategie für die nächsten fünf Jahre erläuterte der seit Februar amtierende Novartis-Chef Joe Jimenez im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Innovation und Diversifizierung sind für Jimenez keine Gegensätze: „Innovation ist ein Kernelement unserer Wachstumsstrategie. Wir werden aber auch die Möglichkeiten nutzen, um in unseren anderen Geschäftsbereichen zu wachsen.“

Zu den großen Herausforderungen der Branche gehören auslaufende Patente, höhere Zulassungshürden und Kostensparprogramme von Regierungen. „Die Veränderungen in der Branche sind so dramatisch, dass es immer wichtiger wird, auch jenseits des reinen Pharmageschäfts ein breites Portfolio zu haben“, sagte der 51-Jährige.

Mit seiner Bekenntnis zur Diversifizierung konterte Jimenez eine Äußerung von Severin Schwan, CEO des ebenfalls in Basel ansässigen Pharmakonzerns Roche. Schwan hatte kürzlich in einem Interview das Thema mit den Worten „Viele nennen es Diversifizierung. Ich nenne es aufgeben“ kommentiert.

Jimenez, der seine Karriere einst in der Konsumgüterindustrie begann, hat Anfang Februar als Nachfolger des Mediziners Daniel Vasella die Führung bei Novartis übernommen. Während andere Pharmakonzerne wie etwa Pfizer und Merck – aber auch Amgen – ihre Budgets für Forschung und Entwicklung (F&E) gesenkt haben, will Novartis nach Angaben von Jimenez das F&E-Budget mit dem Umsatz wachsen lassen. Im vergangenen Jahr gab Novartis 7,4 Mrd. Dollar und damit rund 17 Prozent seines Umsatzes (44 Mrd. Dollar) für Forschung und Entwicklung aus. Es war das drittgrößte F&E-Budget der Branche nach Roche und Pfizer.

Novartis ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres mit einem organischen Plus von sechs Prozent im Pharmageschäft schneller gewachsen als die Konkurrenz. Aktuell hat der Konzern 142 Wirkstoffe in der Medikamentenpipeline und will bis Ende 2012 rund 30 Zulassungsanträge einreichen.

Ein bis zwei Mrd. Dollar für Zukäufe

Jimenez ist zuversichtlich, dass er die Umsatzzeinbußen, die auch Novartis in den nächsten Jahren durch auslaufende Patente drohen, mehr als kompensieren kann. Zu den bedeutenden Zulassungen der jüngeren Zeit gehört die MS–Tablette Gilenya, mit der Novartis eine neue Therapieform für an Multiple-Sklerose erkrankten Menschen anbietet. Analysten trauen diesem Medikament Milliardenumsätze zu.

Novartis wird nach dem Mehrheitserwerb der auf Augenheilkunde spezialisierten Firma Alcon sein Geschäft künftig auf fünf Bereiche fußen: Neben dem klassischen Pharmageschäft gibt es die Generika-Sparte (Hexal, Sandoz), Consumer Health mit den freiverkäuflichen Marken und die Impfstoffe. Augenheilkunde wird der fünfte Bereich werden. Neben dem Ausbau des Geschäfts aus eigener Kraft setzt Novartis-Chef Jimenez bei der Diversifikationsstrategie auch auf gezielte Zukäufe. Trotz der milliardenschweren Alcon-Akquisition sieht der gebürtige US-Amerikaner noch Spielraum für Novartis, pro Jahr ein bis zwei Mrd. Dollar in Zukäufe zu investieren.

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