Pharmabranche
Pfizer muss Rekordbuße zahlen

Als ob Pfizer nicht schon Probleme genug hätte im Moment. Nun muss der Pharmariese wahrscheinlich im Streit um seine Vermarktungspraktiken bei einigen Medikamenten eine Rekordsumme von 2,3 Milliarden Dollar zahlen.

HB FRANKFURT. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer muss in den Vereinigten Staaten 2,3 Mrd. Dollar Strafe wegen unsauberer Marketingpraktiken zahlen. Das ist die höchste Summe, die bisher ein Pharmakonzern bei solchen Verfahren aufbringen musste. Pfizer einigte sich am Mittwoch mit dem amerikanischen Justizministerium in einem Vergleich auf die Zahlung dieser Summe, um ein seit Jahren dauerndes Verfahren zu beenden. Der Pharmakonzern hatte für die Strafzahlung bereits im vierten Quartal 2008 entsprechende Rückstellungen vorgenommen. Trotzdem hatte Pfizer im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 8,1 Mrd. Dollar gemacht.

Die Aktie des Unternehmens wurde am Mittwoch dennoch kurzzeitig vom Handel ausgesetzt. Als der Handel wieder aufgenommen wurde, notierten die Titel mit einem leichten Abschlag von 0,24 Prozent. Pfizer betonte, dass es im Zusammenhang mit dieser Einigung keine zusätzlichen Gewinnbelastungen geben werde. Den größten Teil der Strafe – 1,3 Mrd. Dollar – muss Pfizer für die Vermarktung des Medikaments Bextra in nicht genehmigten Anwendungsgebieten zahlen. Dieser so genannte Off-Label-Use ist strafbar. Das Schmerzmittel Bextra gehörte ursprünglich der Firma Pharmacia & Upjohn Co, die von Pfizer im Jahre 2003 übernommen wurden. Pfizer hatte das Medikament 2005 wegen Nebenwirkungen freiwillig vom Markt genommen. Nach Angaben von Justizministerium und Pfizer bekennt sich Pharmacia & Upjohn in Sachen Bextra für schuldig, die entsprechenden Vorschriften der Zulassungbehörde FDA verletzt zu haben.

Den übrigen Teil der Strafzahlungen muss Pfizer in verschiedenen Zivilverfahren wegen der Vermarktungspraxis bei diversen anderen Medikamenten zahlen. Unter anderem geht es dabei auch um Zahlungen an Ärzte. Pfizer wies gestern in einer Pressemitteilung die Behauptungen aus den zivilrechtlichen Untersuchungen ausdrücklich zurück. Der Konzern räumte aber ein, dass es bei der Vermarktung des Medikaments Zyvox „bestimmte unangemessene Aktivitäten“ gegeben habe.

Wie Pfizer gestern zudem bekannt gab, zahlt das Unternehmen weitere 33 Mio. Dollar im laufenden Quartal wegen der Werbepraxis für sein Antipsychotikum Geodon. Pfizer hatte sich hier mit den Generalanwälten in 42 Staaten geeinigt.

Der Fall Pfizer ist ein Beispiel dafür, dass der Pharmabranche auf den wichtigen US-Markt zusehends höhere Strafen bei Regelverstößen drohen. Im Januar hatte sich der Pharmakonzern Eli Lilly in einer Auseinandersetzung um die Vermarktungspraxis seines Anti-Schizophreniemittels Zyprexa mit den Behörden auf eine Strafzahlung von 1,42 Mrd. Dollar geeinigt. Der britische Pharmakonzern Glaxo-Smithkline hatte Ende 2008 in Zusammenhang mit Ermittlungen der US-Behörden wegen unerlaubter Vertriebsmethoden rund 400 Mio. Dollar zurückgestellt.

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