Pharmabranche: Pfizer will Konkurrenten für 60 Milliarden übernehmen

Pharmabranche
Pfizer will Konkurrenten für 60 Milliarden übernehmen

Der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer will offenbar seinen amerikanischen Konkurrenten Wyeth für 60 Milliarden Dollar übernehmen. Pfizer braucht den Deal unbedingt, denn Patente für einnahmeträchtige Medikamente laufen bald aus. Doch die Übernahme könnte scheitern.
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HB NEW YORK. In der Pharmabranche könnte sich die größte Übernahme seit dem Kauf von Pharmacia durch Pfizer im Jahr 2003 anbahnen. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer strebt nach einem Pressebericht eine Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Wyeth in Milliardenhöhe an. Die Gespräche liefen bereits seit Monaten, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine Einigung stehe aber nicht unmittelbar bevor.

Bei einer branchenüblichen Übernahmeprämie von etwa 20 Prozent könnte die Übernahme von Wyeth einen Wert von mehr als 60 Milliarden Dollar haben, schreibt die Zeitung. Pfizer könnte in bar und mit Aktien bezahlen, hieß es weiter. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme durch die Finanz- und Kreditkrise könnten die Übernahmepläne noch scheitern. Pfizer und Wyeth waren für einen Kommentar nicht zu erreichen. Ein Wyeth Sprecher lehnte gegenüber dem Journal einen Kommentar ab.

Der Wille des Pfizer-Konzernchefs Jeff Kindler zu einer Großübernahme ist Beleg dafür, dass Pfizer dringend etwas unternehmen muss, um einen absehbaren Umsatzeinbruch auszugleichen. Patente auf wichtige Medikamente laufen aus. Das gilt unter anderem für den Cholesterinsenker Lipitor, der 2007 fast 13 Milliarden Dollar an Umsatz einbrachte. Kindler hat bereits Entlassungen und Umbau angekündigt, um Kosten zu sparen.

Durch die Fusion würde ein Pharmariese mit einem Umsatz von über 70 Milliarden Euro entstehen, der in seinem Portfolio einige Verkaufsschlager führt, wie zum Beispiel das Arthritis-Mittel Enbrel. "Für Pfizer macht der Deal absolut Sinn, bei Wyeth bin ich mir nicht so sicher", sagte Chris Albani von der Unternehmensberatung PRTM der Nachrichtenagentur Bloomberg. Während Pfizer am Vortag mit 116,05 Milliarden Dollar bewertet wurde, brachten es Wyeth-Papiere auf eine Marktkapitalisierung von 51,70 Milliarden Dollar.

Im globalen Pharmamarkt wäre der Erwerb von Wyeth durch Pfizer der bislang größte seit der Übernahme von Pharmacia durch den Branchenprimus für gut 64 Milliarden Dollar 2003. Die heutigen Branchenschwergewichte Pfizer, AstraZeneca, GlaxoSmithKline und Sanofi-Aventis sind allesamt durch Zusammenschlüsse entstanden. Wenn Pfizer demnächst zu einer großen Übernahme ansetzt, könnte eine neue Konsolidierungsrunde beginnen, glauben Experten.

In der noch immer wenig konsolidierten Pharmabranche sorgte Pfizer-Konkurrent Roche im Sommer 2008 für eine Überraschung: Der Spezialist für Krebsmedikamente bot insgesamt 43,7 Milliarden Dollar für die komplette Übernahme seiner US-Biotech-Tochter Genentech. Dies war bis dahin die größte Übernahme-Offerte in der Branche nach dem Kauf von Pharmacia. Die Eidgenossen bieten für die noch ausstehenden 44 Prozent der Anteile an dem weltweit zweitgrößten Biotech-Konzern einen Preis von 89 Dollar je Aktie. Genentech lehnt die Übernahme bisher ab. Zeitungen hatten kürzlich berichtet, Roche könnte das Angebot auf 95 Euro je Aktie erhöhen.

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