Pharmabranche
Pharmabranche kämpft mit Produkt-Engpass

Die Pharmabranche hat ein ganz großes Problem: In den kommenden Jahren laufen Patente für Originalmedikamente mit derzeit 140 Milliarden Dollar Umsatz aus. Die Neuentwicklungen der Unternehmen bieten meist nicht genügend Umsatzpotenzial, um die Einbußen zu kompensieren. Die Forschungsabteilungen gehen neue Wege.

FRANKFURT. Trotz steigender Zulassungszahlen stellen Schwächen in der Produktentwicklung weiterhin die größte Gefahr für die Pharmabranche dar. In einer Umfrage, die die Wirtschaftsprüfungsgruppe Ernst & Young (E&Y) unter Führungskräften der weltweit 15 größten Pharmakonzerne durchführte, nannten knapp drei Viertel der befragten Topmanager eine zu dünne Produkt-Pipeline als größtes Risiko. Die Wiederbelebung der Forschung gilt deshalb als wichtigste Herausforderung - vor strategischen Zielen wie der Erschließung neuer Märkte und der Kostensenkung.

Hintergrund ist die Sorge, dass Neuentwicklungen nicht genügend Umsatzpotenzial bieten, um Einbußen infolge von Patentabläufen bei älteren Produkten zu kompensieren. Es fehlt vielfach an neuen Substanzen, die Milliardenumsätze versprechen. Auf der anderen Seite werden bis 2012 nach Schätzung der Marktforschungsgruppe IMS Health Originalmedikamente mit derzeit 140 Mrd. Dollar Umsatz den Patentschutz verlieren - und damit rund ein Fünftel des heutigen Geschäfts unter Generika-Konkurrenz geraten.

"Die Produktivität der Forschung ist in den vergangenen fünf bis sieben Jahren stetig gesunken", sagt Elia Napolitano, bei E&Y Deutschland verantwortlich für die Pharmaindustrie. Ein Grund dafür sind steigende Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit von neuen Substanzen. Die Chance, dass ein neu entdecktes Wirkmolekül eine Zulassung erhält, wird laut E&Y in der Branche inzwischen auf eins zu einer Million geschätzt. Als typisches Indiz für die rückläufige Effizienz gilt insbesondere die Tatsache, dass bei kräftig steigenden Forschungsausgaben die Zahl der erfolgreichen Neuentwicklungen sowohl auf globaler Ebene als auch auf dem wichtigen US-Markt seit Ende der 90er Jahren rückläufig war. In den USA hatte sie sich auf weniger als 20 neue Substanzen im Jahr 2007 halbiert, während sich die jährlichen Forschungsausgaben der großen Pharmakonzerne im gleichen Zeitraum auf mehr als 70 Mrd. Dollar pro Jahr verdoppelten.

Allerdings sind die großen Pharmakonzerne von dieser Entwicklung in sehr unterschiedlicher Weise betroffen. Mit einem Mangel an Produktnachschub kämpfen derzeit vor allem US-Konzerne wie Pfizer, Johnson & Johnson oder Merck & Co. In Europa drohen Sanofi-Aventis und Glaxo-Smithkline Umsatzeinbußen. Insgesamt hat sich die Situation bei europäischen Herstellern nach Einschätzung von Fachleuten in den letzten Jahren aber verbessert. "Unsere Bauchschmerzen sind in dieser Hinsicht nicht mehr so groß", sagt Pharmaexperte Olaf Tölke von Standard & Poor's. So verfügen etwa Roche, Novartis oder Bayer nach Einschätzung vieler Analysten über eine ausreichend gefüllte Pipeline, um ihr Wachstum aufrecht zu erhalten.

Zudem ist mit Blick auf die Neuzulassungen eine gewisse Trendwende erkennbar. So gelangten in den USA 2008 mit 24 Erstzulassungen immerhin ein Viertel mehr Innovationen auf den Markt als im Vorjahr. Auf globaler Ebene dürften etliche weitere Neuentwicklungen hinzukommen, die zum Beispiel in Europa, aber noch nicht in den USA genehmigt wurden. Dazu gehören etwa die neuartigen Thrombosemittel von Boehringer und Bayer. In Deutschland wurden lauf Branchenverband VFA 31 Medikamente mit neuen Wirkstoffen erstmals eingeführt. Die Neuzulassungszahlen bewegen sich hier seit Anfang der 90er-Jahre auf vergleichsweise stabilem Niveau.

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