Pharmabranche
Roche forciert Offerte für Genentech

In der Pharmabranche ist es manchmal wie in einer Familie: Bisweilen kracht es zwischen Mutter und Tochter. So ist es auch bei Roche und Genentech. In die sich seit Monaten hinziehenden vollständigen Übernahme der Biotech-Firma durch die Konzernmutter Roche kommt nun eine überraschende Wende. Der Streit lässt sich offenbar nicht anders beilegen.

Der Schweizer Pharmariese Roche verstärkt den Druck, um eine Komplettübernahme seiner Mehrheitsbeteiligung Genentech durchzusetzen. Nachdem Gespräche mit dem Management des US-Konzerns scheiterten, kündigte der Baseler Pharmariese gestern ein feindliches Übernahmeangebot für die rund 44 Prozent der Genentech-Anteile an, die er noch nicht besitzt.

Gegenüber dem ursprünglich geplanten Angebot in Höhe von 89 Dollar je Genentech-Anteil hat Roche den Angebotspreis dabei um knapp drei Prozent auf 86,50 Dollar reduziert. Das Gesamtvolumen einer Komplettübernahme würde sich damit für den Konzern von 43,7 Mrd. Dollar auf etwa 42,5 Mrd. Dollar verringern. Genentech, das erfolgreichste Biotechunternehmen der Welt, wird auf dieser Basis mit rund 91 Mrd. Dollar bewertet.

Das Genentech-Management hatte die ursprüngliche Offerte von Roche im vergangenen August als zu niedrig abgelehnt. Dessen ungeachtet notierte die Genentech-Aktie in den letzten Monaten durchweg deutlich unter der Marke von 89 Dollar. Man sei enttäuscht, dass die Gespräche zwischen Roche und dem unabhängigen Verwaltungsrats-Ausschuss von Genentech zu keinem Erfolg geführt hätten, erklärte der Präsident des Roche-Verwaltungsrates Franz Humer. „Wir sind daher der Ansicht, dass es jetzt angebracht ist, die Genentech-Aktionäre direkt darüber entscheiden zu lassen, ob sie unser Angebot annehmen.“ Die Aktien und Genussscheine von Roche legten bis zum Freitagnachmittag leicht zu.

Roche macht das öffentliche Übernahmeangebot davon abhängig, dass mindestens die Hälfte der außenstehenden Aktien angedient wird und dass die Finanzierung mit vorhandenen liquiden Mitteln, Anleihen und Bankkrediten sichergestellt werden kann. Die Ausgabe von Aktien ist offenbar kein Thema, nachdem die Gründerfamilie Hoffmann-Oeri vor wenigen Tagen ihren Aktionärspakt auf unbestimmte Zeit verlängert hatte und zugleich ihre Entschlossenheit bekräftigte, eine Mehrheit am stimmberechtigten Kapital von Roche zu behalten.

Insgesamt wird der Konzern mehr als 30 Mrd. Dollar an zusätzlichen Finanzmitteln benötigen um sämtliche Genentech-Aktien zu erwerben. Doch dürfte nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geplanten Übernahme von Wyeth durch Pfizer die Zuversicht gewachsen sein, dass man ein solches Volumen finanzieren kann. Pfizer hat sich für den (insgesamt rund 68 Mrd. Dollar teuren) Wyeth-Deal Kreditzusagen von mehr als 22 Mrd. Dollar gesichert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Industrien erwirtschaftet die Pharmabranche nach wie vor sehr hohe Cash-Flows bei gesunden Bilanzstrukturen. Die meisten Vertreter der Branche verfügen damit nach wie vor über erheblichen Spielraum für M&A-Transaktionen. Für Roche, den mit umgerechnet rund 38 Mrd. Dollar Jahresumsatz fünftgrößten Arzneimittelhersteller der Welt, ist der Vorstoß bei Genentech bereits die zweite feindliche Übernahme nach dem Kauf des amerikanischen Diagnostikunternehmens Ventana für 3,4 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr.

Genentech spielte dank seiner erfolgreichen Krebsmedikamente wie Avastin, Herceptin und Rituxan in den vergangenen Jahre eine Schlüsselrolle für den Aufstieg von Roche. Im vergangenen Jahr steigerte das US-Unternehmen den Umsatz um 14 Prozent auf 13,4 Mrd. Dollar und den operativen Gewinn um ein Viertel auf 5,3 Mrd. Dollar, wobei diese Zahlen auch bisher bereits im Konzernabschluss von Roche konsolidiert werden. Allerdings stehen dabei den Roche-Aktionären nur 56 Prozent des Gewinns zu, während sie im Falle einer Komplettübernahme 100 Prozent erhalten.

Der Schweizer Pharmariese erwarb bereits 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an Genentech und besaß den US-Konzern für kurze Zeit auch schon einmal komplett. Er entschied sich Anfang des Jahrzehnts aber dafür, einen Teil der Aktien direkt wieder an der Börse zu platzieren, um den unabhängigen Charakter des amerikanischen Biotech-Pionierunternehmens zu wahren. Für die platzierten Anteile, die Roche nun wieder zurückkaufen will, kassierte der Konzern damals rund acht Mrd. Dollar.

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